Roboter vor Ladestation

Testbericht des Xiaomi Mi Vacuum Robot

Vom einzig für den chinesischen Wirtschaftsraum vorgesehenen Serviceroboter mutierte der Xiaomi Mi Vacuum Robot bei europäischen Kunden bereits kurz nach Markteinführung zum Geheimtipp. Ob er dieses Prädikat zu Recht führen darf und welche Punkte es unbedingt zu beachten gilt, erfahren Sie im folgenden Test.

Preislich gesehen variiert die Auswahl am Markt erhältlicher Modelle ebenso stark wie in Bezug auf ihr Ausstattungsportfolio an technischen Raffinessen. Hersteller wie NEATO Robotics, Vorwerk, iRobot oder LG bieten ein breites Produktsortiment an Robotern. Die Auswahl erschwert die Marktübersicht, Erfahrungswerte von Besitzern solcher Geräte offerieren ein eher durchwachsenes Bild ihrer Tauglichkeit. Zusätzlich zu den am Markt etablierten Unternehmen hat nun auch ein ehemaliges Start-Up aus China die Nische der Staubsaugerroboter für sich entdeckt und produziert sowie vertreibt seit Ende 2016 entsprechende Geräte, derweil ausschließlich offiziell in China. Hierzulande erhält der interessierte Käufer über wenige Versandhändler, alle ansässig im Land der Mitte, inzwischen gleichermaßen die Möglichkeit, einen Xiaomi Mi Vacuum Robot zu erwerben. Der Preis mit ca. 320 Euro inklusive Versand, Einfuhrumsatzsteuer und eventuellen Zollgebühren scheint attraktiv, die Ausstattung des Roboters vielseitig, durchdacht, auch westeuropäischen Wohnungseinrichtungen angemessen. Lohnt also der Kauf?

Überblick

Im Folgenden wird der Staubsaugerroboter hinsichtlich seiner Stärken und Schwächen Schritt für Schritt analysiert und beschrieben. Diese Einschätzungen wurden unter dem Gebot der Objektivität verfasst, enthalten möglicherweise zudem subjektive Eindrücke. Des Weiteren beziehen sich diese Erfahrungswerte auf lediglich zwei Exemplare des Modells, basieren ausschließlich auf dem mehrwöchigen Betrieb im Haushalt des Autors, welcher sich in Größe, Ausstattung, Wahl des Bodenbelags, der Raumaufteilung usw. mitunter stark von dem anderer InteressentInnen unterscheidet. Dies gilt es beim Lesen der nächsten Abschnitte unbedingt zu bedenken.

Inhaltsverzeichnis

  1. Bestellung & Versand
  2. Wahl des Versandhändlers
  3. Verpackung & Lieferumfang
  4. Optik & Haptik
  5. Hardware & Software
  6. Grundsätzliches
  7. Bediendung
  8. Navigation
  9. Saugstufen
  10. Sensorik
  11. Reinigungsleistung
  12. Akkukapazität
  13. App-Unterstützung
  14. Tipp
  15. Widrigkeiten
  16. Fazit

Bestellung & Versand

Verschiedene Onlineshops wie bspw. Gearbest oder cect bieten den Roboter zu variierenden, tagesaktuellen Preisen an. Während einige Händler mit preissensitiven Lockangeboten werben, bieten andere Rabattmöglichkeiten sowie einen umfassenden Versandservice. Letzterer beinhaltet unter anderem die Abwicklung der Einfuhrumsatzsteuer (EUSt), welche in Höhe von 19% bei Eintreffen der Ware im europäischen Wirtschaftsraum fällig wird, zudem die Zollabwicklung inkl. möglicher zusätzlicher Kosten. Erfahrungen haben gezeigt, dass insbesondere diese nachträglich entstehenden Unkosten in ihrem Umfang beträchtlich ausfallen können, viele dieses Faktum unterschätzen, die Auslieferung der Ware um weitere Tage in Verzug gerät sowie das anfänglich erstrebenswerte Lockangebot sich im Nachhinein als teures Unterfangen herausstellt. Es ist daher unumgänglich, sich im Vorhinein einer bindenden Bestellung genauestens über ausnahmslos alle entstehenden Kosten ausreichend und zielgerichtet zu informieren. Ist der Artikel erst einmal unterwegs per Frachtflugzeug, wird eine Stornierung unmöglich. Ein Rückversand bei Nichtgefallen aufgrund der verbauten Akkutechnik, welche seit Januar 2017 von vielen Versanddienstleistern als Gefahrgut eingestuft wird, wäre des Weiteren mit erheblichen Rücksendekosten von ca. 120 Euro verbunden. Laut erster Erfahrungen werden Paketsendungen stichprobenartig geröntgt. Hierdurch ließe sich ein Akku nahezu fehlerfrei identifizieren. Sollte die Sendung nach weiterer Prüfung nicht entsprechend als Gefahrgut aufgegeben und gekennzeichnet sein, würde diese an den Sender zurückgeschickt, die entstandenen Unkosten nicht erstattet.

Wahl des Versandhändlers

Als größtenteils verlässlicher, vertrauenswürdiger Onlineversandhändler, welcher den aktuell günstigsten Gesamtpreis inkl. EUSt und Zollgebühren sowie Versand aufruft, hat sich Gearbest herausgestellt. Die Versandart „Germany Priority Line“ ist kostenlos, liefert den gewünschten Artikel innerhalb einer Zeitspanne von 2 bis 4 Wochen. Bitte achten Sie bei Ihren Recherchen auf vollständige Angaben hinsichtlich zu erwartender Zusatzkosten für Sie als Endverbraucher. Bei Einfuhr von Produkten in den europäischen Wirtschaftsraum werden – wie oben bereits beschrieben – teils erhebliche Beträge für die Einfuhr sowie die Zollabwicklung fällig, welche von vielen Onlineshops nicht vorsorglich in den offerierten Endpreis eingerechnet werden. Bei Kauf eines Elektronikprodukts wie dem Xiaomi Mi Vacuum Robot müssen Sie mit ca. einem Fünftel Mehrkosten rechnen (20% Einfuhrumsatzsteuer, 0% Zollgebühren). Weiß man dies vorher nicht, kann der Kauf zum Erlebnisabenteuer werden und für so manche Überraschung samt Besuch beim zuständigen Zollamt sorgen.

Verpackung & Lieferumfang

Der Roboter wird, umhüllt in Packpapier sowie verstaut in einer stabilen Kartonage in einer ansprechenden, sicheren Verpackung geliefert, der eigentliche Staubsauger lagert in einem Styroporgehäuse mehr oder minder erschütterungssicher. Neben dem Serviceroboter befinden sich eine Ladestation samt ca. 2 Meter langem chinesischen Netzkabel, ein entsprechender Adapter für europäische Steckdosen, von dessen Verwendung dringend abgeraten wird, ein kleiner Kamm zum Entfernen von Mensch- oder Tierhaaren sowie sonstiger Fasern aus der Hauptbürste, zu guter Letzt eine Bedienungsanleitung im Lieferumfang. Nach Auspacken der Einzelteile ist das Inbetriebnehmen des Roboters innerhalb kürzester Zeit erledigt. Einzig das für den Betrieb in Haushalten mit Treppen empfehlenswerte Absperrband, welches aufgrund seiner magnetischen Wirkung die umlaufend im Roboter verbaute Sensorik anspricht und diesen daran hindert, die Sperre zu überfahren, ist nicht im Lieferumfang enthalten. Die Nutzung des Bands bietet sich nicht nur in mehrstöckigen Gebäuden an, hiermit können kleinere Bereiche wie Spielecken von Kindern, ganze Räume oder Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände vor dem Befahren durch den Staubsauger gesichert werden.

Optik & Haptik

Der Xiaomi Mi Vacuum Robot ist in schlichtem Weiß gehalten, wirkt modern gestaltet und ist dem Preis angemessen verarbeitet. Die verwendeten Kunststoffe fühlen sich wertig an, die Oberseite des Roboters besteht aus glänzendem Material, welches anfällig für Kratzer scheint. Bumper, Rück- und Unterseite sowie das Chassis des Staubsaugerroboters hingegen bestehen aus mattem Polymer, wirken robust und verleihen dem Gerät die notwendige Stabilität. Während die Optik gefällt, ist die Haptik hervorragend. Einzig ein Griff zum leichteren, einhändigen Transport, bspw. zwischen verschiedenen Stockwerken, fehlt dem Xiaomi, stattdessen muss der Roboter beidhändig getragen werden. Der aus transparentem Kunststoff bestehende Schmutzbehälter gibt jederzeit nach Öffnung der Klappe an der Oberseite des Geräts den Blick auf die aufgenommene Schmutzmenge frei. Rückwärtig am Behälter angebracht ist der entsprechende Filter des Staubsaugers, welcher durch ein Feingewebe vor allzu schnellem Verschleiß geschützt ist. Zudem lässt dieser sich hierdurch leichter reinigen. Der Schmutzbehälter sitzt dank umlaufender Gummidichtungen sowie durchdachter Arretierung sicher und staubdicht im Chassis und lässt sich auf Knopfdruck entnehmen. Weiterhin zugänglich sind durch einfaches Öffnen der oberseitigen Klappe die Status-LEDs zur WLAN-Verbindung sowie zum Resetstatus. Durchdacht zeigt sich vor allem die Aussparung an der Oberseite, für den Benutzer sind die beiden Schalter zum Start des Roboters als auch zur Rückfahrt an die Basis auch bei ungeöffnetem Deckel jederzeit zugänglich. Haupt- und Seitenbürste sind mit unterschiedlich langen Borsten ausgestattet, welche erheblich zur guten Reinigungsleistung des Geräts beitragen. Die Hauptbürste lässt sich durch Öffnen des Bürstenkäfigs entnehmen, die Reinigung geht leicht und schnell von Statten. Im Gegensatz zu dieser ist die Seitenbürste mittels einer Kreuzschlitzschraube am Gehäuse fixiert, entsprechendes Werkzeug ist zur Entnahme der Bürste notwendig, welche gleichermaßen wie die Hauptbürste im Zubehörhandel nachgekauft werden kann.

Hardware & Software

Die Ladestation des Roboters ist schwerer als einige seiner Pendants, zusätzlich mit einer entsprechenden Gummierung an der Unterseite ausgestattet und verrutscht im Alltag seltener, als man dies von Mitbewerbern gewohnt ist. Dennoch empfiehlt sich eine Fixierung mittels doppelseitigem Klebeband am endgültigen Aufstellungsort des Roboters über die Unterseite der Basisstation (Klebestreifen auf gummierte Flächen ausreichend). So kann die Ladestation auch nach mehrmaligem Anfahren nicht verschoben werden, was die Wahrscheinlichkeit des Roboters, diese nach erfolgreichem Reinigungsprozess nicht mehr wiederzufinden, nachhaltig ausschließt. Überhaupt ist die Basis ansehnlich gestaltet, die Ladekontakte verlaufen über einen Großteil der Breite, bieten dem Roboter genügend Fläche zum Andocken. Dieses verläuft in Rückwärtsfahrt und kann nur dann erfolgen, wenn die Basis am Stromnetz angeschlossen ist. Nutzer, welche eine Zeitschaltuhr verwenden, sollten sicherstellen, dass zur Zeit der Reinigung die Ladestation in jedem Fall mit Strom versorgt wird, da ansonsten der Roboter diese nicht finden würde. Dank Infrarottechnik erfolgt das Andocken im Regelfall äußerst zuverlässig. Das für den Anschluss an das Stromnetz mitgelieferte chinesische Netzkabel sollten Sie keinesfalls in Verbindung mit dem mitgelieferten Adapter verwenden, da beim Herausziehen des Steckers aus dem Adapter beide Pole frei liegen und die Gefahr eines Stromschlags in jedem Fall gegeben ist. Ein Netzkabel nach europäischer Norm mit entsprechendem C7-Stecker finden Sie bei zahlreichen anderen Geräten in Ihrem Haushalt in Verwendung, zudem lässt sich ein solches Eurokabel für kleines Geld in nahezu jedem Elektonikmarkt oder über das Internet erwerben.

Grundsätzliches

Einmal angedockt, lädt der Roboter den Akku zu 100% Prozent auf, insofern Strom anliegt. Kann das Gerät die Ladestation nicht erreichen, gibt es einen akustischen Hinweis auf Chinesisch – neuerdings auch auf Englisch – aus, des Weitern wird in der Anwendung auf den Umstand des fehlgeschlagenen Andockmanövers hingewiesen. Der Roboter signalisiert gleichfalls Komplikationen während des Reinigungsvorgangs, bspw. beim Einsaugen von größeren Gegenständen (Kleidung, Kabel, hochflorige oder leichte Teppiche), welche die Hauptbürste blockieren, bei Steckenbleiben unter Möbelstücken oder Hängenbleiben auf Türschwellen. Gleichfalls gibt der Roboter über die LEDs am Start- und Zurück-zur-Ladestation-Knopf Informationen zum Updatefortschritt der Firmware aus. Letztere wurde in den vergangenen Monaten mehrmals in aktualisierter Version veröffentlicht und wird erst nach Bestätigung des Prozesses durch den Nutzer heruntergeladen und installiert. Während des Updates blinkt die weiße LED schnell, während eines Ladevorgangs hingegen langsam pulsierend. Zudem wird die Akkukapazität des Roboters hierüber signalisiert, weiß steht für einen voll aufgeladenen Akku, orange für einen teilentladenen. Mittels der Farbe Rot macht Xiaomi über die LEDs die Notwendigkeit eines zeitnahen Aufladens während des Reinigungsbetriebs deutlich.

Bedienung

Der Staubsaugerroboter kennt insgesamt drei Betriebszustände. Nach vollständiger Aufladung befindet sich der Roboter bei Nichtbenutzung im Falle des erfolgreichen Andockens an die Basisstation im Standbymodus, verbraucht ca. 2 Watt pro Stunde. Sollte der Roboter abgedockt aufbewahrt oder angedockt über die Ladestation nicht mit Strom versorgt werden, schaltet sich dieser nach einer gewissen Zeit (ca. 12 Stunden) dank der Steuerung des Energiemanagments ab. Um timergesteuert reinigen zu können, muss dieser händisch/manuell aus dem Ruhemodus erweckt werden. Der Ruhestrom in diesem Zustand ist als äußerst gering zu bezeichnen, der Roboter könnte so einige Tage ohne Zugang zum Stromnetz überdauern, ohne nachgeladen werden zu müssen. Per mehrsekündigem Knopfdruck auf den Ein-/Aus-Schalter lässt sich das Gerät komplett ausschalten. Einer längeren Nichtnutzung und anschließenden Reaktivierung steht somit nichts im Wege.

Die Navigation des Xiaomi Mi Vacuum Robot zeigt sich im Vergleich zum restlichen Mitbewerberfeld sehr durchdacht. Dem Roboter gelingt im Regelfall die problemlose Navigation auch auf größeren Flächen mit unterschiedlichen Räumen, Fußbodenbelägen, Einrichtungsgegenständen sowie in absoluter Dunkelheit. Dank der quadrantbasierten Navigation werden zusammenhängende Reinigungsbereiche in einzelne Segmente unterteilt, welche zuerst über den Rand abgefahren, hiernach im Inneren gereinigt werden. Diesem Vorgehen folgt der Xiaomi Schritt für Schritt in jedem neuen Quadranten, welchen er abfährt. Ein solcher Abschnitt kann sich unter Umständen auch auf zwei unterschiedliche Räume erstrecken. Ca. 3 x 3 Meter nimmt ein solcher Quadrant ein. Über die Speicherung der Gesamtfläche in einer Übersichtskarte, welche über die Plugin-Erweiterung einsehbar ist und im häuslichen WLAN-Netzwerk in der Regel für den Benutzer leicht zugänglich im Bereich Reinigungsverlauf gespeichert ist, findet der teilautonome Staubsauger jederzeit zur Basisstation zurück. Bei Befahren größerer Flächen ist eine Nachladung zum Fortfahren des Reinigungsvorgangs notwendig, insgesamt gibt Xiaomi eine Betriebszeit von ca. 150 Minuten an. Je nach Einrichtung, Raumaufteilung und Teppichanteil variiert die Quadratmeterzahl stark.

Saugstufen

Gleich drei unterschiedliche Saugstufen bietet der Roboter an, eine schwache, mittlere und erwartungsgemäß hohe Drehzahl des Gebläses, welche sich nicht nur in Bezug auf die Lautstärke während des Betriebs negativ auswirkt, auch die Betriebszeit und somit die Quadratmeterleistung sinken aufgrund des gestiegenen Stromverbrauchs. Erfahrungsgemäß lohnt ein Betrieb des Roboters nach anfänglicher Testphase in der höchsten Saugstufe insbesondere bei Verlassen des Haushalts. Für anwesende Menschen wie Haustiere ist die Lautstärke zwar noch erträglich, jedoch mit zunehmender Aufenthaltszeit in ein und demselben Raum durchaus unangenehm. Gespräche in normaler Lautstärke sind nur mit Unterbrechungen zu führen, das Konsumieren von multimedialer Unterhaltung nur noch eingeschränkt möglich. In den Einstellungen der Erweiterung steht zusätzlich ein Power-Modus zur Verfügung. Dieser hat nach Aktivierung die Einschaltung der höchsten Saugstufe bei terminierten Reinigungsvorgängen zur Folge, egal, welche Einstellung in der Mi-Vacuum Erweiterung in Bezug auf die Saugleistung im Vorfeld vorgenommen wurde.

Sensorik

Ist der Xiaomi Mi Vacuum Robot einmal unterwegs, verhält er sich nach einem für viele nicht chaotisch navigierende Staubsaugerroboter typischen Schema. Nach Start des Reinigungsprozesses dreht der Roboter zur rechten Seite, sucht die entsprechende Kante des ersten Quadranten im Raum, welchen er berechnet hat und fährt an dieser solange entlang, bis er auf einen Widerstand stößt, welchen er in der Regel über die Ultraschallsensorik, verbaut in der Front des Geräts, im Vorfeld wahrgenommen hat. Erfolgte dies nicht, besitzt der Roboter zwei weitere Möglichkeiten der Hinderniserkennung, die Erfassung über den Laser an der Oberseite des Roboters und zuletzt die Kollision mit dem Gegenstand und/oder Lebewesen über den sogenannten Bumper, eine umlaufende Verkleidung im Frontbereich des Geräts, welche über Federn und Sensoren Zusammenstöße an die Software liefert. Während dem Roboter bei rechtzeitiger Erkennung das Mittel des Ausweichens bleibt, stoppt dieser bei Aktivierung der Bumpersensoren ruckartig und versucht anschließend, das Hindernis zu umkreisen. Dies gelingt ihm insbesondere bei Stuhl- und Tischbeinen sehr gut, welche er in engen Radien umfährt. Hiernach sucht er erneut die entsprechende Kante und folgt dieser bis zum nächsten Kollisionspunkt. Gelingt dem Xiaomi das Anfahren eines Gegenstands nicht, dreht er sich auf der Stelle und ermittelt hierdurch über die Sensorik einen Ausweg. Der Kantensensor wie auch die restlichen an der Unterseite des Roboters sollten in regelmäßigen Abständen gesäubert werden, um ihre Funktionstüchtigkeit zu wahren. Gleiches gilt für den Bumper, in dessen Spalt an der Unterseite gröbere Verschmutzungen eindringen und die Funktion beeinträchtigen können. Auf Freigängigkeit des Kollisionsschutzes sollte stets geachtet werden.

Reinigungsleistung

Beobachtete man den Xiaomi Mi Vacuum Robot während des Reinigungsprozesses, so fällt sofort auf, dass dieser mit im Vergleich zu anderen Robotern hoher Geschwindigkeit die Flächen abfährt. Dies spricht jedoch nicht gegen eine gründliche Reinigungsleistung. Kanten werden sauber und zielführend abgefahren, Hindernisse gekonnt und eng umfahren, auch Schwellen bis zu einer gewissen Höhe (je nach Typ, Steigung und Kantenprofil bis zu 1,8 cm) gut überstiegen. Feinstaub nimmt der Xiaomi ebenso wohlwollend auf wie größere Partikel. Gemessen an anderen Modellen im gleichen Preissegment und höherpreisig bietet der Mi Vacuum Robot die Hauptbürste mit der geringsten Breite. Dies macht der Roboter wett, indem er den Raum in schmaleren Spuren häufiger abfährt. Auch größere Objekte wie Flusen, Einstreu von Haustieren, Haarbüschel oder ähnliches nimmt der Staubsauger bereitwillig auf. Da der Xiaomi dank des runden Chassis auf der Stelle drehen kann, gelingt ihm die Anfahrt und Unterfahrt auch schmaler Nischen, er reinigt gründlich bis in kleine Ecken. Begrenzt wird seine Reinigungsleistung einerseits durch die Seitenbürste, deren Länge physikalisch bedingt nur ein gewisses Maß einnehmen darf, damit diese nicht selbst zum Hindernis wird, andererseits durch eine niedrig gewählte Saugstufe. Hier sollte darauf geachtet werden, dass der Roboter selbst bei geringer Verschmutzung der zu reinigenden Fläche zumindest in der mittleren Saugstufeneinstellung operiert, da ansonsten die Gebläseleistung nicht ausreichen könnte, um auch größere Staubmengen und/oder Haare von Mensch und Tier sowie Staubflusen erfolgreich aufzusaugen.

Akkukapzität

Die Akkukapazität reicht bei einmaliger Anfahrt für über 85 Quadratmeter, selbst in der höchsten Leistungsstufe. Bei größeren Etagen stellt das Nachladen eine probate Lösung dar, um schlussendlich die Gesamtfläche zu reinigen. Wird der Filter regelmäßig abgesaugt und/oder per Vorfilter vor grober Verschmutzung bewahrt, gelingt dem Xiaomi im täglichen Einsatz eine Reinigungsleistung auch auf kurzflorigem Teppich (max. Höhe 1,7 bis 1,8 cm), welche mit deutlich teureren Geräten durchaus mithalten kann. Insbesondere die nicht chaotische Navigation verhilft dem Roboter zu einem planmäßigen Abfahren des gesamten Reinigungsbereichs, was neben der guten Leistung zur Folge hat, dass die Staubentwicklung sowie der sich frei in der Raumluft bewegende Staubanteil und damit künftige Ablagerungen auf Möbeln und Böden deutlich zurück geht. Allergiker dürften an einer solchen Haushaltshilfe wie dem Mi Vacuum Robot ihre Freude haben.

App-Unterstützung

Die Ersteinrichtung ist dank der in großen Teilen auf Englisch vorliegenden Mi-Home Anwendung und der mittlerweile vollständig ins Englische übersetzten Mi-Vacuum Erweiterung in wenigen Minuten erledigt, bezogen werden kann erstere über den jeweiligen App Store von Google oder Apple, die Erweiterung wird schießlich per In-App-Funktion nachgeladen. Eine übersetzte Version für den deutschen Sprachraum existiert aktuell nur in inoffizieller Variante für das Betriebssystem Android. Bei Verwendung der Originaldateien ist neuerdings dank der englischen Sprachvariante keine komplexere Einarbeitung in die einzelnen Menüs durch übersetzte Bilderstrecken mehr erforderlich. Möchten Sie die deutsche Variante der Mi-Home Anwendung inklusive der deutschen Mi-Vacuum Erweiterung nutzen, lohnt der Blick in den folgenden Artikel:

Mi-Home Anwendung im Play Store
Mi-Home Anwendung im Play Store

Tipp

Empfehlenswert ist die Einbindung des Roboters in ein separates WLAN, auch als Gast-WLAN oder Gast-Zugang bezeichnet. Die erforderlichen Informationen, um dies zu bewerkstelligen, entnehmen Sie bitte den Konfigurationsseiten Ihres Routers, welchen Sie standardmäßig unter http://192.168.0.1, http://192.168.1.1 oder http://192.168.2.1 über typische Browser erreichen können. Ratsam ist die vorübergehende Freischaltung aller Rechteeinschränkungen im Router, welche das Gast-WLAN betreffen. Auch sollten Sie in diesem Fall alle Filtereinstellungen überprüfen, gegebenenfalls für den Gast-Zugang gesetzte Filter bis nach erfolgreicher Integration Ihres Xiaomi Roboters inkl. Download und Einrichtung der Plugin-Erweiterung deaktivieren.

Roboter vor Ladestation
Roboter vor Ladestation

Widrigkeiten

Der Xiaomi Mi Vacuum Robot vereint zahlreiche positive Merkmale in sich, welche im Fazit noch einmal zusammengefasst werden. Einige wenige, entscheidende Nachteile dürfen dennoch nicht unerwähnt bleiben:

  • EU-konformes CE-Zeichen fehlt
  • Geltendmachung eines Garantieanspruchs in Deutschland unmöglich
  • Ersatzteile für Roboter in Deutschland nicht erhältlich
  • Einschicken im Schadensfall nach China zum Onlineversandhändler auf eigene Kosten
  • Versand inklusive Akku mit ca. 120 Euro pro Strecke sehr teuer, da seit Januar 2017 die Richtlinien der weltweit operierenden Dienstleister derartige Stromspeicher als Gefahrgut deklarieren, ein Versand per Flugzeug ist demzufolge nur unter gesonderten Bedingungen und hohen Kosten möglich
  • Verzicht auf Endgerät im Reparaturfall für viele Wochen
Steckeradapter (lebensgefährlich)
Gefährlicher Adapter – Verwendung nicht empfohlen!

Fazit zum Xiaomi Mi Vacuum Robot

Wer das Wagnis eines in China produzierten und vertriebenen Staubsaugerroboters eingehen möchte, welcher weder ein EU-konformes CE-Zeichen aufweist, noch über eine entsprechende Garantie verfügt, welche bei Reparaturfällen in Anspruch genommen werden kann und wer bereit ist, entweder die unübersetzte offizielle App-Version zu nutzen oder die geringe Mehrarbeit in Kauf zu nehmen, um seinen Roboter auf Deutsch zu steuern, der erhält mit dem Xiaomi Mi Vacuum Robot einen Serviceroboter, welcher zahlreiche positive Merkmale in sich vereint. Für aktuell ca. 310 Euro erhält der interessierte Käufer folgende Leistungen:

  • teilautonomer Serviceroboter
  • intelligentes und planvolles Navigieren durch Räume oder ganze Stockwerke
  • Lasereinheit zur Raumerfassung und -vermessung
  • Betrieb auch bei absoluter Dunkelheit möglich
  • Erkennung von Hindernissen und Abgründen durch umfangreiche Sensorik
  • Ausweichen und Umfahren von Gegenständen durch Bumper-Nahbereichs- und Kollisionssensoren
  • überzeugende Reinigungsleistung
  • hohe Geschwindigkeit bei Reinigung
  • verschiedene Saugstufen als Wahlmöglichkeit bei unterschiedlichen Verschmutzungsgraden und/oder Einsatzhäufigkeit
  • timergesteuerte Reinigung inkl. Verlaufsdarstellung in Mi-Home Anwendung
  • Steuerung durch App inkl. Fernbedienungsfunktion
  • problemloses Reinigen des mittelgroßen Schmutzbehälters sowie Bürstenwerks aufgrund der simplen, robusten Mechanik
  • optisch ansprechendes Design und durchdachte Funktionalität
  • geringer Endpreis
  • Preiswertes Zubehör in Originalqualität

Nach nunmehr 4 Monaten Betriebszeit sowie mittlerweile zwei Xiaomi Robotern in unterschiedlichen Haushalten bin ich nach wie vor sehr zufrieden mit dem Gerät. Eine generelle Empfehlung möchte ich dennoch nicht aussprechen, da die wenigen, dennoch gewichtigen Nachteile eine diesbezügliche Kaufentscheidung erschweren. Schlussendlich muss jeder selbst entscheiden, ob er mit den gebotenen Nachteilen leben kann.

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