Vorstellung des Xiaomi Roborock Sweep One Staubsaugerroboters

Vorstellung des Xiaomi Roborock Sweep One

2000 pa Gebläseleistung, LiDAR-Einheit mit Kontaktsensor, interaktive Reinigungskarte und Wischaufsatz – Xiaomis neues Modell geizt nicht mit Neuerungen und Optimierungen des ersten Entwurfs. Ein kleiner erster Überblick über die zahlreichen kleineren und größeren Neuerungen des Roborock Sweep One.

Erneut gelingt dem ehemaligen Startup und heutigen Hightech-Konzern Xiaomi Inc. mit der jüngsten Produktpräsentation des Xiaomi Roborock Sweep One eine kleine Überraschung, welche von etablierten, global operierenden Unternehmen wie iRobot Corp. oder Neato Robotics aufmerksam verfolgt werden dürfte. Der fünftgrößte Smartphone-Hersteller weltweit besticht einmal mehr in diesem Jahr mit der überzeugenden Evolution eines seiner erfolgreichen Elektronikprodukte, dem Staubsaugerroboter Xiaomi Mi Vacuum Robot. Ziemlich genau ein Jahr zuvor verblüffte das chinesische Unternehmen den überwiegend einheimischen Kundenkreis mit dem Mi Vacuum Robot, dem ersten Staubsaugerroboter aus dem Hause Xiaomi. Dieser sorgte erst in China, später unter anderem auch in Europa für Furore. Alsbald ließ sich der Roboter über einen der zahlreichen chinesischen Onlineshops nach Deutschland oder Österreich importieren und erfreute fortan eine stetig wachsende Nutzergemeinde, nicht nur hinsichtlich des wiederholt sinkenden Preises. Das erste Modell überzeugte zugleich mit hervorragender Reinigungsleistung, durchdachter Haptik, ansehnlicher Optik, kontinuierlichen Softwareaktualisierungen und wachsendem Funktionsumfang der Mi-Vacuum Erweiterung. Noch heute, am Tage der Präsentation des offiziellen Nachfolgers gilt der Xiaomi Mi Vacuum Robot zu Recht nicht nur hinsichtlich des Preis-Leistungsverhältnis als einer der besten Serviceroboter am Markt.

Erfolg dank Kundennähe

Zwar ist die Hürde in punkto Garantieabwicklung im Schadensfall noch immer hoch, der Aufwand im Vergleich zu Konkurrenzprodukten ungleich höher, zeitaufwändiger und mit zusätzlichen Kosten verbunden. Gleichwohl stellt der Xiaomi auch nach verschiedentlichen Berichten zu Qualitätsmängeln in Bezug auf die LiDAR-Einheit ein in Anbetracht des Leistungsumfangs bislang unerreicht lukratives Angebot dar. Beim erfolgreichen einstigen Startup scheint der Wille, die Konkurrenz durch überzeugende Technik, kleine Preise und durchdachte Software zu überrumpeln, ungebrochen groß. Ca. 12 Monate nach Marktstart des ersten Entwurfs veröffentlicht Xiaomi Tech in Zusammenarbeit mit Roborock nun den Nachfolger, welcher einmal mehr unter Beweis stellt, dass Kundenwünsche und Entwicklungsziele durchaus miteinander vereinbar sind, wenn das verantwortlich zeichnende Unternehmen aus konstruktiver Kritik und Vorschlägen zur Optimierung sowie durch produktive Marktanalyse lernt.

Optimierungen des Sweep One

Die Änderungen – in großen Teilen Verbesserungen – am Roborock Sweep One offenbaren sich vielerorts. Der Funktionsumfang des leistungsstarken Staubsaugerroboters wurde um einen Wassertank sowie ein Wischtuch erweitert. Gleichermaßen überarbeitete der chinesische Elektronik-Hersteller die bereits beim Prädezessor überzeugende Optik. Der Neue wirkt ebenso ansehnlich und modern in seinem weiß glänzenden Materialfinish mit gräulich silbernen Akzenten. Auffällig ist die Erweiterung auf insgesamt drei Bedienknöpfe. Der dritte Knopf dient zur Aktivierung der Rückfahrt zur Basisstation. Welche Änderungen hinsichtlich der Navigation bei Einsatz des Tuchaufsatztes einhergehen, müssen erste Tests des Roboters unter realen Bedingungen zeigen. Per Sprachbefehl lässt sich der Roboter auch weiterhin nur auf Mandarin bedienen. An der Gerätehöhe als auch den Ausmaßen hat sich nach ersten Erkenntnissen nichts geändert, einzig am Gewicht. Der neue bringt nun lediglich ca. 3,5 kg auf die Waage, ob mit oder ohne Tuchaufsatz, bleibt offen.

Wischaufsatz

Der Wischaufsatz wirkt durchdacht, die Gesamtfläche erstreckt sich ausschließlich auf die Breite der Hauptbürste, sodass nur bereits gesaugte Flächenbereiche feucht nachgewischt werden. Die Tuchfläche scheint auf den ersten Blick nicht auffallend größer als bei kombinierten Saug-Wisch-Modellen von iLife oder Ecovacs Deebot R9x-Serie. Laut des Herstellers Roborock reicht eine Tankfüllung für 45 bis 60 Minuten Reinigungszeit. Das verwendete Material dürfte aus Mikrofaser gefertigt sein und somit für gute Reinigungsergebnisse sorgen, dank seiner Maschinenwaschbarkeit wiederverwendbar sein.

Teppich-Turbo-Modus

Die Erkennung von Teppichböden beherrscht der Sweep One ebenso. Auf diesen erhöht er nach Angaben von Xiaomi die Saugleistung kurzzeitig und folgt so dem Beispiel von iRobots 980 oder Neatos D7.

Bereichsreinigung

Eine weitere Neuerung stellt die überarbeitete Xiaomi Home App dar, welche zusätzliche Bedienmöglichkeiten zugänglich mach. Mit dem neuen Modell ist endlich die allseits erwünschte Bereichsreinigung möglich, welche explizit kleinere oder größere Segmente des eigenen Haushalts wie Räume, Kinderspielecken, Haustierversorgung etc. ausgrenzbar machen. Zudem lässt sich der Roboter an eine Stelle beordern und dort zur Spotreinigung animieren. Dieses Feature lässt vermuten, dass die einmal im Haushalt erstellten Kartierungen dauerhaft gespeichert werden. Der Rückgriff auf entsprechendes Magnetband ist nicht mehr zwingend erforderlich. Vorhandenes kann jedoch auch weiterhin genutzt werden, bspw. zur Absicherung von Treppenauf- und -abgängen.

Saugleistung

Xiaomi gibt an, die nominelle Saugleistung von 1800 pa auf insgesamt 2000 pa erhöht zu haben.  Gleichfalls wirbt man mit einer verbesserten Kletterfähigkeit, welche nun Hindernisse von max. 2 cm Höhe überwinden lässt. Unverändert bleibt die Akkukapazität von 5200 mAh, die mit ca. 150 Minuten Saugfreude nichts desto trotz ausreichend bemessen ist, Zwischenladen inbegriffen. Roborock verspricht eine Flächenleistung von max. 250 Quadratmetern, entsprechend spärliche Einrichtung vorausgesetzt.

Schmutzbehälter

Auf den ersten Blick wirkt der neue Schmutzauffangbehälter kleiner als das Original. Dieser Eindruck trügt jedoch, der neue wuchs im Volumen von 0,42 auf nun 0,48 Liter und sollte somit auch in Haushalten mit Haustieren seinen Zweck zufriedenstellend erfüllen.

Luftfilter

Gänzlich neu ist die Möglichkeit, den Luftfilter mit Wasser zu reinigen. Ein Absaugen entfällt dank der durchdachten, neuartigen Filtermembran, welche mit wasserdichtem Teflon beschichtet ist. Dieser Umstand scheint eine Verwendung über viele Monate zu ermöglichen. Ob sich der neue Filteraufsatz in der Praxis bewährt, wird sich jedoch erst nach einigen Monaten zeigen. Hinsichtlich der Müllvermeidung wäre dies jedoch ein überlegenswerter Schritt auch für andere Hersteller. Die genauen Abmaße des Luftfilters sind bis dato nicht bekannt. Dass dieser auch an den Schmutzbehälter des Xiaomi Mi Vacuum Robot passt, ist daher nicht ausgeschlossen. Ob der neue Filter den HEPA-Anforderungen entspricht, ging aus den Beschreibungen zum Sweep One nicht hervor.

Optimierte Hinderniserkennung

Zur besseren Erkennung von potentiellen Hindernissen habe man ebenfalls die LDS-Einheit optimiert sowie die Position desselben verändert, so heißt es im Pressetext von Xiaomi. In der Tat ist das LiDAR des Roboters deutlich weiter in die Mitte des Sweep One gerückt. Ob hingegen die besagten Verbesserungen am Zusammenspiel zwischen LDS-Einheit, restlichen Sensoren und Software eine überlegene Navigation auch in Engstellen ermöglichen, werden erste Testaufnahmen offen legen. Besonders ungeschickt gab sich jedoch bereits der erste Xiaomi nicht. Neu ist auch die Auslösung eines oder mehrerer Mikroschalter unterhalb des LiDARs bei Unterfahren eines Möbelstücks mit zu geringer Höhe. Dies verhindert laut Xiaomi ein drohendes Feststecken und schützt nachhaltig die empfindliche Technik des LDS-Kopfes. Ob der Roboter ähnlich dem VR200 von Vowerk auch über eine Kollisionserkennung des Laseraufsatzes mit Hindernissen verfügt, ist hingegen nicht bekannt.

Schutzkante

Zum Schutz empfindlichen Mobiliars bei Kollision hat Roborock am Bumper eine umlaufende Gummidichtung integriert, welche auch den Roboter bei ungewollt unsanften Zusammenstößen vor Kratzern bewahren sollte. Für einige InteressentInnen dürfte diese Neuerung jedoch einen erheblichen Nachteil darstellen, da der Roboter so nicht mehr ohne größeren Aufwand mittels einer eigens angepassten Bumperverlängerung nach unten vor dem Befahren von hochflorigen Teppichen bewahrt werden kann, auf welchen er sich ansonsten festfahren und den Reinigungsvorgang abbrechen würde.

Basisstation

Zuletzt fallen bei Betrachtung der Rückseite des Xiaomi Roborock Sweep One als auch der zugehörigen Basisstation grundlegende Änderungen in der Positionierung der Ladekontakte auf. Befanden sich diese beim ersten Modell wie bei Modellen von Vorwerk (V100, VR200) oder Neato (Botvac- und Connected-Serie usw.) noch auf der Rückseite des Roboters respektive der Frontseite des Docks, sind diese nun an der Unterseite des Sweep One zu finden. Der neue fährt zum Laden auf die federgelagerten Kontaktpunkte der Station auf. Hierdurch wird nicht nur eine festere und sichere Verbindung hergestellt, der Nachfolger des ersten Xiaomi parkt nun auch vorwärts statt rückwärts ein. Geschuldet sein dürfte dieser Umstand dem Wischaufsatz, welcher an der Rückseite leicht überstehend ein rückwärtiges Andocken kaum ermöglicht hätte. Allen Haustierliebhabern und Eltern eines oder mehrerer Kleinkinder dürfte diese Änderung Erleichterung vermitteln. Die eng beieinander liegenden, äußerst breiten Kontaktflächen waren wiederholt Anstoß zur Sorge, ob diese ein Gefährdungspotenital bei Überbrückung beider Kontakte darstellten. Zudem kam es bei Vorwerk- und Neato-Modellen in der Vergangenheit bei Kurzschluss der Ladeleisten mit metallischen Gegenständen (Barhocker mit metallischem Fuß, Bestuhlung und/oder Tisch bzw. Sofa- und Möbelfüße aus leitendem Metall) mitunter zu Defekten des Roboters.

Unterschiede Mi Vacuum Robot und Sweep One

Welche Vorteile bietet Modell Nr. 2 gegenüber seinem Prädezessor? Die folgende Tabelle zeigt maßgebliche Unterschiede auf und soll Ihnen als Unterstützung bei Ihrer Kaufentscheidung dienen.

Fazit zum Xiaomi Roborock Sweep One

Das Crowdfunding-Projekt des Herstellers zeigte sich äußerst erfolgreich. In kürzester Zeit war die anvisierte Summe für Entwicklung und Produktion eingespielt und das Projekt „Roborock Sweep One“ gesichert. Der Roboter weist zahlreiche Detailverbesserungen auf, wie man sie von einem gestandenen Unternehmen erwarten würde. Zwar sind Spezifikationen wie die Akkuleistung oder die Beschaffenheit, Größe und Position der Haupt- und Seitenbürste unverändert, in diesen Punkten überzeugte jedoch der Vorgänger bereits mit im Vergleich zu Konkurrenten ebenbürdiger Technik. Die integrierte Wischfunktion, der LDS-Bumper als auch das leicht gewachsene Volumen des Schmutzbehälters als auch die Nassreinigungsfähigkeit des Luftfilters offenbaren, dass Roborock Nutzermeinungen und Kundenwünsche produktiv verwertet hat und sich an dem ein oder anderen Konkurrenten ein hinreichendes Beispiel genommen hat. In Summe wirkt der Sweep One auch dank der leicht erhöhten Saugleistung dem Prädezessor in fast allen Belangen überlegen, bietet die Möglichkeit des Feuchtwischens frei Haus und damit ein gelungenes Allround-Paket für Neukäufer wie auch BestandskundInnen. Ob ein Upgrade auf die 2. Version wirklich lohnt, sollte anhand der Beschaffenheit des Haushalts (Teppichflächen, Gefahr des Steckenbleibens durch Unterfahren zu niedriger Möbel, Besitz von Haustieren, Haushalt mit Kindern usw.), der Notwendigkeit einer Wischfunktion, welche auch separat in Form überzeugend arbeitender Wischroboter erhältlich wäre, entschieden werden. Der Preis von ca. 418 Euro scheint angesichts des gebotenen Leistungsumfangs gerechtfertigt, schließlich misst man sich mit Modellen wie dem VR200 von Vorwerk, dem D5 oder D7 von Neato und dem 96x von iRobot.

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