Bosch Roxxter Staubsaugerroboter

Vorstellung des Bosch Roxxter

Die Robert Bosch Hausgeräte GmbH, ansässig in der bayrischen Hauptstadt München, steigt mit einem eigenen Modell namens Bosch Roxxter im kommenden Jahr in den Markt der Staubsaugerroboter ein und verspricht ein Feuerwerk an technischen Funktionen: visuelle Raumerfassung, permanente Kartenspeicherung, Live-Bild und Fernsteurung auch von unterwegs per Streaming-Kamera.

Verfolgt man die aktuellen Nachrichten in Print- und Onlinemedien, so ist in jedem zweiten Artikel über die Automobilindustrie vom einstigen Vorzeigekonzern und Profiteur des ersten und zweiten Wirtschaftswunders Bosch die Rede. Die einstige Werkstätte für Feinmechanik- und Elektrotechnik, entwickelte sich nach der erfolgreichen Weiterentwicklung des Magnetzünders und einer Beleuchtungsanlage für die Automobilindustrie in wenigen Jahrzehnten zum global operierenden, diversifizierten Unternehmen mit neuen Geschäftsfeldern. Eines hiervon stellte die Hausgerätesparte dar, die bereits 1933 den ersten Kühlschrank aus eigenem Hause präsentierte. Nach Kriegsende und dem erfolgreichen Wiederaufbau fand der Konzern schnell auf den Weltmarkt zurück. Neben Automobiltechnik, Kühlschränken und Radios liefen alsbald auch Heizgeräte und Elektrowerkzeuge vom Band. Weitere Geschäftszweige wie die Automatisierung, Funktechnik und Mobilfunk sicherten das finanzielle Bestehen. Das einstige Leitmotiv „Technik fürs Leben“ prägt noch heute die Geschicke der Werbeabteilung. Wenig überraschend ersann Bosch im vor wenigen Jahren den Einstieg in das vielversprechende Segment der Serviceroboter. Mit dem Modell Indego offerierte das Unternehmen erstmals 2013 einen Mähroboter für heimische Gefilde. Der Schritt zum eigenen Staubsaugerroboter war absehbar. Im ersten Halbjahr 2018 wird der Münchner Technologiekonzern mit dem Vertrieb des in Eigenregie konzipierten, auftragsgefertigten Modells Bosch Roxxter starten. Ob sich das Warten lohnt?

Hoher Anspruch

Nur logisch scheinen die Bemühungen der Teilhabe am Geschäftsfeld der Hausautomatisierung, liest man die Stellungnahme zur aktuellen und künftigen Entwicklung im Bereich IoT (Internet of the Things). Weitreichend sei der Wandel, welcher sich bereits heute beispielsweise in mit dem Internet verbundenen Haushaltsgeräten oder der umfassenden Einbindung von Smartphones in moderne PKW-Unterhaltungs- und -Informationssysteme andeute. Das Internet der Dinge sei unlängst Teil unseres täglichen Lebens geworden, biete NutzerInnen zusätzlichen Komfort, Freizeitgewinn, Genuss des Lebens. Neue Services durch direktere Bedienung. Roxxter sei bislang der einzige Roboter, welcher sich über Amazons Sprachassistenten Alexa derart umfangreich bedienen lasse. Die Liste der technischen Daten ist lang: Umgebungsscan per visueller Raumerfassung, Kartengenerierung und Speicherung mehrerer Versionen (Etagen, Wohnungen bzw. Ferienhäuser etc.) sowie Einsicht auf Abruf über die Home Connect App, Absperrung einzelner Bereiche oder ganzer Zonen, intelligente Navigation, starkes Sauggebläse, Kletterfähigkeit bis 2 cm, Remote-Steuerung außer Haus, Streaming der Kamerabilder des Roboters via Internet zur Kontrolle des heimischen Haushalts, Steuerung per Livebild durch die eigenen Wohnräume, Corner-Clean-Technologie etc.

Technische Überlegenheit

Das fundamentalste Schlagwort der umtriebigen Marketingmaschinerie von Bosch verheißt weitreichende Neuerungen: RoomSelect. Die Münchner positionieren sich mit diesem ihrer Meinung nach interessantesten Argument für ihr Produkt gezielt gegen die etablierte Konkurrenz aus den USA und Fernost. Bislang beherrscht kein einziges Robotermodell, nicht einmal der so üppig ausgestattete HomBot Square VRH950 von LG die drei Kernfunktionen des künftigen Bosch-Sprösslings: optische Raumerfassung per Kamera (vSLAM), dauerhafte Kartenspeicherung gleich mehrerer Etagen bzw. Haushalte, Überwachung und Fernsteuerung per Live-Stream des Kamerabildes. Offenbar haben die Ingenieure den ganz großen Wurf geplant. Ebenso großartig wie die Ausstattungsliste fallen die unverbindlichen Preisempfehlungen des Roxxter aus, welcher in zwei Varianten erscheinen wird: Mit Streaming-Kamera rund 1400 Euro (UVP), ohne immerhin stolze 1200 Euro (UVP). Beide Modelle beherrschen laut des Herstellers die gezielte Reinigung einzelner Räume. Möglich wird dies dank eines vollständigen Scans des gesamten Haushalts, dessen Ergebnisse in einer Karte gespeichert werden. Nicht nur erhält der bzw. die NutzerIn hiernach Zugriff auf den ermittelten Grundriss, es können zudem einzelne Bereiche entweder ausgenommen oder aber gezielt angefahren werden. Unter sogenannten No-Go-Areas stellt sich die Werbeabteilung von Bosch beispielsweise Spielecken von Kindern vor. Gleich mehrere gespeicherte Karten lassen sich abrufen und für Saugdurchgänge anwählen. Ein Markieren von Sperrzonen durch Magnetband oder mittels Virtual Wall, wie es bei iRobots 900er-Serie bis dato erforderlich ist, entfalle. Ebenso lassen sich geplante Reinigungen gezielt in bestimmten Bereichen des eigenen Haushalts durchführen. Die Vorteile von RoomSelect liegen auf der Hand. Der bzw. die NutzerIn ist in der Lage, zeitgesteuerte und manuell ausgelöste Reinigungsvorgänge jederzeit an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Ob derartige Begrenzungslinien auch dauerhaft in Kartierungen gespeichert werden können, ist nicht bekannt. „Intelligent, klein und leistungsstark„, „Kraftprotz„, „innovative Navigation„, „intelligente Bedienung„, „kluge Applikationen„, „hervorragende Reinigungsleistung“ – Bosch geizt nicht mit Adjektiven, geht damit gar allzu verschwenderisch um und heizt die Erwartungen seitens der potentiellen Kundschaft schon Monate vor dem eigentlichen Produktlaunch allzu sehr an. Ob die Münchner all ihre Versprechungen halten und ein ebensolches, überzeugendes Robotermodell abliefern können, zeigt sich im Frühjahr 2018.

Ausstattungsmerkmale

Folgende technischen und softwareseitigen Merkmale nennt Bosch bereits vorab:

  • Lasernavigation
  • Corner-Clean-Technologie
  • Kletterfähigkeit bis 2cm
  • Kartierung und dauerhafte Speicherung (Zuweisung von Räumen wie Küche, Wohnzimmer etc.)
  • RoomSelect (interaktive Karte zur Ausgrenzung einzelner Bereiche)
  • optimierte Bauform zur Navigation auch in Engstellen (Kanten, Raumecken, Umfahren von Hindernissen)
  • leistungsstarker Lithium-Ionen-Akku
  • Austauch des Akkupacks zur Laufzeitverlängerung durch Zweit- oder Drittakku
  • Home Connect App (Konfiguration, Bedienung, Steuerung)
  • Streaming per Kamera (Live-Überwachung, Fernsteuerung)
  • Unterstützung von Amazon Alexa (Bedienung per Sprache)
  • Unterstützung des IFTTT-Services

Live-Stream per Kamera

Boschs Roxxter stellt eine Kombination aus Lasernavigation und Kamera dar. Letztere dient dazu, per Stream über von Bosch bereitgestellte Server bei Abwesenheit jederzeit einen Blick in das eigene Zuhause werfen zu können, in Echtzeit und in Farbe, wie es bereits LGs Hombot Square mit Home View und Home Guard beherrscht. Das entsprechende Kameramodul ist ausschließlich beim größeren und deutlich teureren Modell verbaut. Man sollte vor dem eigentlichen Kauf abwägen, ob derartige (Sicherheits)Funktionen gewünscht sind. Ein Nachrüsten kann soweit bis dato bekannt nicht erfolgen. Auch Miele bietet mit dem Scout RX2 künftig einen Roboter an, welcher über umfassende Möglichkeiten zur Überwachung des heimischen Haushalts verfügt. Weitere Hersteller werden ähnlich ausgestattete Produkte im nächsten Jahr auf den Markt bringen. Bosch scheint somit auf dem richtigen Weg, zumindest aus Sicht des potentiellen neuen Kundenstamms, der auf solche technischen Merkmale mehr und mehr Wert zu legen und bereit scheint, größere Summen zu investieren.

Fazit zum Bosch Roxxter

Bosch verspricht einen hochgerüsteten, allen Gegebenheiten und Erfordernissen gewachsenen Roboter zu einem Endpreis, welcher selbst die einstige unverbindliche Preisempfehlung von iRobot für das Topmodell Roomba 980 (1200 Euro) um Längen schlägt. Dafür erhält der Kunde laut Aussage des traditionsreichen Unternehmens umfassende Möglichkeiten der Steuerung und Bedienung (RoomSelect, Raumanwahl zur Reinigung auch timergesteuert, Absperrung einzelner Bereiche über die App, Livebild-Schaltung usw.).  Zudem werben die Münchner mit ausgeklügelter Technik, beispielsweise der Integration des Bürstenmotors an der Hauptbürste selbst im Verzicht auf Antriebsriemen (Neato Botvac, Vorwerk VR usw.). Die Flächenleistung lässt sich gemäß der Informationen einer weiter oben zitierten Quelle durch einfachen Austausch des Akkus verdoppeln und/oder verdreifachen, je nach Vorhandensein passender Ersatzakkupacks. Die Corner-Clean-Technologie ermöglicht das wandnahe Reinigen selbst in engsten Bereichen, unterstützt durch die hohe Saugleistung. Bezieht man nun noch die überlegene Navigation per Laser ein, klingt das Gesamtpaket Roxxter nach einem Endgerät, welches trotz des anvisierten Endpreises äußerst attraktiv erscheint. Ob der Hersteller alle angepriesenen Funktionen und Merkmale auch derart überzeugend umsetzen kann, bleibt abzuwarten. Insbesondere die Reinigungsleistung des Roboters sollte auf Anhieb in ersten Tests überzeugen. Andernfalls muss sich Bosch nach etwaigen eher unrühmlichen Anläufen gegen etablierte Konkurrenz aus Israel und Schweden im Bereich der Rasenmähroboter (Indego-Reihe) nun auch im Segment der Staubsaugerroboter den Branchenriesen vorrangig aus den USA (iRobot Corporation, Neato Robotics) erneut geschlagen geben. Vorwerk wird den Vorstoß Boschs mit Argusaugen verfolgen. Schließlich steht für die Wuppertaler spätestens 2018 sicher ebenfalls ein neues Modell in Planung. Mit Mieles neuem Entwurf des Scout RX2 erwächst dem Familienunternehmen ein weiterer Konkurrent.  Derjenige Hersteller, welcher am Ende das beste Gesamtpaket mit überlegener Reinigungsleistung feil bietet, wird sich bei jenen KundInnen durchsetzen, welche gezielt nach einheimischen Alternativen zu iRobots Roomba 980 oder Neatos Botvac D7 Connected suchen.

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