iRobot Roomba 980 Staubsaugerroboter

Testbericht des iRobot Roomba 980

999 Euro im regulären Verkauf. Ist der iRobot Roomba 980 das Geld wirklich wert? Welche Merkmale stechen hervor und für welche Haushalte ist ein Kauf des Topmodells sinnvoll?

Das börsennotierte US-amerikanische Unternehmen iRobot Corporation, gegründet im Jahre 1990 im Bundesstaat Massachusetts nahe Boston, steht mit seinen Staubsaugerrobotern insbesondere der 800er- und 900er-Serie für Qualität und Vorsprung durch Technik. Neben der bekannten Serviceroboterserie Roomba haben vor allem die Bodenreinigungsroboter der Modellreihen Scooba und Braava für Aufsehen gesorgt. Einst auch auf dem Sektor der militärischen Forschung zum Zwecke der Entwicklung von Militär- und Sicherheitsrobotern tätig, konzentriert sich iRobot seit Februar 2016 nach Veräußerung der entsprechenden Sparte ausschließlich um den Bereich der Hausautomation. Das aus einstigen MIT-Absolventen hervorgegangene Unternehmen ist nach eigenen Angaben Marktführer im Segment der Service- oder Hausroboter, beschäftigt heute Ingenieure aus verschiedensten Branchen und treibt die An- und Einbindung seiner Haushaltsroboter in den Bereich der Hausautomation voran.

Vorüberlegungen

Angesichts einer Investitionssumme von immerhin 999 Euro darf sich der geneigte Käufer mit Recht fragen, ob dieses stolze Sümmchen für das sogenannte Topmodell hinreichend gerechtfertigt ist. Immerhin kosten vergleichbar ausgestattete Modelle anderer Hersteller wenige bis mehrere hundert Euro weniger: Vorwerk VR200 (ca. 750 Euro), NEATO Botvac Connected (ca. 599 Euro) oder Botvac D5 (ca. 500 Euro). Können Reinigungsleistung, Zuverlässigkeit und Servicefreundlichkeit des Geräts (Pflege und Wartung) als auch des Unternehmens (Kundenservice) derart überzeugen, dass ein Kauf des Serviceroboters lohnt? Vorweg: Der iRobot Roomba 980 beeindruckt auf ganzer Linie, dennoch bleibt angesichts des hohen Endpreises ein fader Beigeschmack. Es bleibt abzuwarten, ob der Roboter seine alltägliche Aufgabe zuverlässig über Jahre erledigen kann, um letztendlich zu beweisen, dass er der Investitionssumme von 1000 Euro exklusive einer 5-jährigen Garantieerweiterung, welche dringend zu empfehlen ist, gerecht wird. Aber der Reihe nach…

Überblick

Im Folgenden wird der Staubsaugerroboter hinsichtlich seiner Stärken und Schwächen Schritt für Schritt analysiert und beschrieben. Diese Einschätzungen wurden unter dem Gebot der Objektivität verfasst, enthalten möglicherweise zudem subjektive Eindrücke. Des Weiteren beziehen sich diese Erfahrungswerte auf lediglich ein Exemplar des Modells, basieren ausschließlich auf dem mehrmonatigen Betrieb im Haushalt des Autors, welcher sich in Größe, Ausstattung, Wahl des Bodenbelags, der Raumaufteilung usw. mitunter stark von dem anderer InteressentInnen unterscheidet. Dies gilt es beim Lesen der nächsten Abschnitte unbedingt zu bedenken.

Inhaltsverzeichnis

  1. Bestellung & Versand
  2. Verpackung & Lieferumfang
  3. Optik & Haptik
  4. Schmutzbehälter
  5. Pflege & Wartung
  6. Hardware & Software
  7. Grundsätzliches
  8. Bedienung
  9. Navigation
  10. Saugstufen
  11. Sensorik
  12. Reinigungsleistung
  13. Akkukapazität
  14. App-Unterstützung
  15. Tipp
  16. Widrigkeiten
  17. Fazit

Bestellung & Versand

Der iRobot Roomba 980 wird nur in wenigen Onlineshops überhaupt vertrieben. Als ich mich erstmals auf die Suche nach einem lukrativen Angebot begab, stellte ich wenig später fest, dass ausschließlich die beiden großen Elektronikfachhändler, welche zur Metro-Gruppe gehören, die Topmodelle der 96x und 980er Reihe vertreiben. Warum dies so ist und beispielsweise der Roomba 980 nur in diesen Häusern erhältlich ist, mag ich mir nur folgendermaßen zusammenreimen. Es scheint einen Exklusivvertrag zwischen diesen und der iRobot Corporation zu bestehen, welcher Kontrahenten den Verkauf der iRobot Produkte untersagt. Einzig der offizielle Generalimporteur, welcher ab und an Vorführmodelle und Rückläufer zu reduzierten Preisen anbietet, wirbt gleichfalls für bzw. mit den Topmodellen. Dies hat zur Folge, dass die Endpreise über Jahre annähernd stabil blieben. Nur, wer auf eines der wenigen, meist lokal offerierten Angebote  aufmerksam wurde, erhielt die Chance, den 980 für 799 oder 899 Euro zu erwerben, für dieses Modell ein akzeptabler und vertretbarer Preis. Infolgedessen bleibt letztendlich neben dem Gang in eine der zahlreichen Filialen nur der Weg über eine der beiden Onlineplattformen. Einmal geordert, steht der Roboter bei Abholung im Markt noch am selben Tag, bei Bestellung wenige Tage später im eigenen Haushalt zur ersten Probefahrt bereit. Auf eine Garantieverlängerung auf insgesamt 5 Jahre sollte bei Erwerb eines so teuren Roboters nicht verzichtet werden. Diese wird von iRobot angeboten und in verschiedenen Shops explizit beworben. In Anbetracht der Tatsache, wie viele bewegliche, mechanische oder elektronische Bauteile der Roomba 980 umfasst, gilt eine Investition von weiteren 100 Euro zur Absicherung jeglichen Defekts für volle 60 Monate, welcher nicht durch unsachgemäße Handhabung hervorgerufen wurde, als äußerst sinnvoll!

Verpackung & Lieferumfang

Der Roboter wird, sicher verstaut in einer stabilen Kartonage in einer ansprechenden, sicheren Verpackung geliefert, der eigentliche Staubsauger lagert in einem Pappgehäuse mehr oder minder erschütterungssicher. Neben dem Serviceroboter befinden sich eine Ladestation samt ca. 2 Meter langem europäischen Netzkabel, ein kleiner Kamm zum Entfernen von Mensch- oder Tierhaaren sowie sonstiger Fasern aus der Hauptbürste, gleich zwei Exemplare der Virtual Wall samt zugehöriger Batterien, zu guter Letzt eine Bedienungsanleitung im Lieferumfang. Nach Auspacken der Einzelteile ist das Inbetriebnehmen des Roboters innerhalb kürzester Zeit erledigt. Gleichfalls die Virtual Wall getauften Begrenzungsvorrichtungen sind nach Einlegen der AA-Zellen in wenigen Minuten betriebsbereit. Aufgrund ihrer Lichtprojektion im infraroten Spektrum sind diese in der Lage, die auf dem Roboter verbaute Sensorik anzusprechen und diesen daran zu hindern, die Sperre zu überfahren. Die Nutzung der Virtual Wall bietet sich nicht nur in mehrstöckigen Gebäuden an, hiermit können kleinere Bereiche wie Spielecken von Kleinkindern, ganze Räume oder Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände vor dem Befahren durch den Staubsauger gesichert werden.

Optik & Haptik

Der iRobot Roomba 980 ist in umlaufenden Schwarz gehalten, die Oberseite glänzt in anthrazitem Design. Insgesamt wirkt der Roboter sehr modern, die Verarbeitung ist dem hohen Preis durchaus angemessen. Die verwendeten Kunststoffe fühlen sich wertig und robust an. Durch ihre klavierlackartige Beschaffenheit zeigt sich die Oberseite des Roboters jedoch anfällig für Kratzer, insbesondere die kleine, transparente Abdeckung über der Kamera. Bumper, Rück- und Unterseite sowie das Chassis des Staubsaugerroboters hingegen bestehen aus mattem, schwarzem Polymer, wirken sehr robust und verleihen dem Gerät die notwendige Stabilität. Während die Optik gefällt, ist die Haptik hervorragend. Zum Transport des Gerätes hat iRobot an der Oberseite des 980 einen stabilen, klappbaren Griff angebracht, welcher es erlaubt, den Roboter einhändig bspw. zwischen verschiedenen Stockwerken zu befördern.

Schmutzbehälter

Der zum Teil aus transparentem Kunststoff bestehende Schmutzbehälter lässt sich nur nach rückseitiger Entnahme auf seinen Füllstand kontrollieren und auch das mehr schlecht als recht. An dieser Stelle sei eindrücklich auf die Brüchigkeit des Verschlusses der Filterzugangsklappe hingewiesen, welche bei vielen Besitzern bereits nach kurzer Zeit brach. Ein entsprechendes Ersatzteil wird jedoch nach kurzer Konaktaufnahme mit dem iRobot-Service zeitnah versandt und kann selbständig nachgerüstet werden. An der Oberseite des Schmutzbehälters befindet sich der kleine Filter, welcher durch ein Feingewebe vor allzu schnellem Verschleiß geschützt ist. Zudem lässt dieser sich hierdurch leichter reinigen. Auch der Schmutzbehälter des 980 sitzt dank umlaufender Gummidichtungen sowie durchdachter Arretierung sicher und staubdicht im Chassis und lässt sich auf Knopfdruck entnehmen. Allerdings ist hierfür anfangs etwas Übung notwendig. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass die beiden Kontakte am Behälter als auch am Roboter stets sauber gehalten werden. iRobot hat sich dazu entschieden, das Sauggebläse in den Schmutzbehälter zu verbauen. Dies führt dazu, dass nicht nur die Reinigung erschwert wird, sondern der Schmutzbehälter als zentraler Bestandteil der Saugfunktion mit der gebotenen Vorsicht zu behandeln ist, keinesfalls nass ausgewaschen werden darf und vor Stürzen gesichert werden sollte. Dementsprechend teuer ist das Ersatzteil, welches notwendig wird, wenn der Behälter zu Bruch geht.

Pflege und Wartung

Über die Geräteoberseite zugänglich sind die drei Bedienknöpfe Clean (Start, Pausieren und Abbruch des Reinigungsvorgangs), Home (Ansteuerung der Basis) und Spot (Reinigung im Spotmodus) sowie die Hinweis-LEDs, welche über die WLAN-Verbindung sowie den Akkustand informieren. Die rechts an der Unterseite gelagerte dreigliedrige Seitenbürste ist mit besonders langen Borsten ausgestattet, welche es erlauben, auch in kleinsten Ecken und bei Kantenfahrt Schmutzpartikel zum Saugkanal sowie den Extraktoren zu geleiten. Letztere sind nicht wie bei Konkurrenzprodukten mit Borsten und Lamellen ausgestattet, sondern durchgehend geschlossen, weisen ein feines Profil zur besseren Teppichreinigung auf und erhöhen durch ihre Beschaffenheit die ohnehin hohe Gebläse- bzw. Saugleistung des Roboters. Sie tragen zu einem erheblichen Maß zur guten Reinigungsleistung des Roomba 980 bei. Indem sie gegenläufig agieren und einmal aufgenommene Schmutzpartikel zur Mitte des Saugschachtes transportieren, bürsten sie Teppichflächen nicht nur, sie durchwalken die Teppichfasern regelrecht. Die Extraktoren lassen sich durch Öffnen des Walzenkäfigs spielend entnehmen, die Reinigung geht leicht und schnell von Statten. Ein Abwischen mit einem feuchten Tuch ist möglich. Im Gegensatz zur einfachen Lagerung der Walzen ist die Seitenbürste mittels einer Kreuzschlitzschraube am Gehäuse fixiert, entsprechendes Werkzeug ist zur Entnahme der Bürste notwendig, welche gleichermaßen wie die beiden unterschiedlich farbigen Extraktoren im Zubehörhandel nachgekauft werden kann.

Hardware & Software

Die Ladestation des Roboters ist sehr leicht, bringt ohne Eurokabel ca. 250 Gramm auf die Wage, zeichnet sich an der Unterseite durch zwei verklebte Streifen aus, welche ein Verrutschen der schmalen Basis bei An- oder Vorbeifahrt verhindern sollen. Auch beim iRobot Roomba 980 empfiehlt sich insbesondere aufgrund des geringen Gesamtgewichts trotz intern verbauten Netzteils eine Fixierung mittels doppelseitigem Klebeband am endgültigen Aufstellungsort des Roboters über die Unterseite der Basisstation (Klebestreifen auf gummierte Flächen ausreichend). So kann die Ladestation auch nach mehrmaligem Anfahren nicht verschoben werden, was die Wahrscheinlichkeit des Roboters, diese nach erfolgreichem Reinigungsprozess nicht mehr wiederzufinden, nachhaltig ausschließt. Überhaupt ist die Basis ansehnlich gestaltet, die Ladekontakte befinden sich entgegen der typischen D-Saugermodelle auf dem Boden der Station. Es sollte bei täglichem Betrieb darauf geachtet werden, dass sowohl die beiden Kontaktflächen der Basis als auch diejenigen an der Unterseite des Roboters stets sauber gehalten werden. Der An- und Abdockvorgang des 980 erfordert im Vergleich bspw. zum Vorwerk VR200 wesentlich mehr Präzision. Dementsprechend höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass durch einfache Verschmutzung ein Andockvorgang abgebrochen werden muss und der Roboter hierdurch nicht erfolgreich laden kann. Ein Andocken kann wie bei anderen Modellen auch nur dann erfolgen, wenn die Basis am Stromnetz angeschlossen ist. Nutzer, welche eine Zeitschaltuhr verwenden, sollten sicherstellen, dass zur Zeit der Reinigung die Ladestation in jedem Fall mit Strom versorgt wird, da ansonsten der Roboter diese nicht finden würde. Dank Infrarottechnik erfolgt das Andocken im Regelfall äußerst zuverlässig, entgegen seiner Rivalen jedoch vorwärts, nicht rückwärts wie bei typischen D-Saugern.

Grundsätzliches

Einmal angedockt, lädt der Roboter den Akku zu 100% Prozent auf, insofern Strom anliegt. Kann das Gerät die Ladestation nicht erreichen, gibt es einen akustischen Hinweis in Form einer Fehlermeldung mit entsprechender Fehlernummer von sich. Ein Nachvollziehen dieser ist entweder über die zugehörige App oder über die gut ausgebildete Serviceseite des Herstellers jederzeit möglich. Ein Blick in das übersichtliche Handbuch gewährt gleichfalls Einblick in das Problem. Der Roboter signalisiert gleichfalls Komplikationen während des Reinigungsvorgangs, bspw. beim Einsaugen von größeren Gegenständen (Kleidung, Kabel, hochflorige oder leichte Teppiche), welche die Extraktoren blockieren, bei Steckenbleiben unter Möbelstücken oder Hängenbleiben auf Türschwellen. Gleichfalls gibt der Roboter über den Cleanknopf als auch die WLAN- und Status-LED Informationen zum Aktualisierungsfortschritt der Firmware aus. Letztere wurde in den vergangenen Monaten einmalig aktualisiert und wird bei Einbindung in das heimische WLAN automatisch heruntergeladen und anschließend installiert. Während des Updates pulsiert die grüne LED des Clean-Knopfes, während des Ladevorgangs zeigt das Batteriesymbol per LED den aktuellen Ladezustand zuverlässig an. Zudem wird die Akkukapazität des Roboters hierüber auch während des Reinigungsvorgangs signalisiert, grün steht für einen voll aufgeladenen Akku, orange für einen teilentladenen, mit der Farbe Rot macht iRobot die Notwendigkeit eines zeitnahen Aufladens während des Reinigungsbetriebs deutlich.

Bedienung

Der Staubsaugerroboter kennt insgesamt zwei Betriebszustände. In der Phase nach dem Andocken lädt der Roboter bis zum Erreichen der vollständigen Kapazität, wechselt anschließend in den Modus der Erhaltungsladung und verbraucht hiernach erschreckend hohe ca. 4,7 Watt pro Stunde, welche dem Erhalt der WLAN-Verbindung mit dem Router geschuldet sein dürften. Auch nach 24 Stunden steht der Roboter timergesteuert, über die App oder durch Drücken des Clean-Knopfes jederzeit zur Reinigung bereit. Der iRobot Roomba 980 kann einige Tage ohne Zugang zum Stromnetz überdauern, ohne nachgeladen werden zu müssen. Während dieser Zeit weist der Roboter mindestens einmalig auf den Umstand der unterbrochenen Stromversorgung mittels einer akustischen als auch über die App ausgegebenen Fehlermeldung hin, fährt sich anschließend in den Ruhemodus. Per mehrsekündigem Knopfdruck auf den Clean-Knopf lässt sich das Gerät komplett ausschalten. Jedoch sollte darauf Acht gegeben werden, den Clean-Knopf keinesfalls länger als 9 Sekunden zu halten, da ansonsten das Gerät zurückgesetzt, alle Einstellungen gelöscht und die Einbindung in das heimische WLAN-Netzwerk erneut vorgenommen werden muss. Einer längeren Nichtnutzung steht somit nichts im Wege.

Die Navigation des iRobot Roomba 980 zeigt sich im Vergleich zum restlichen Mitbewerberfeld sehr durchdacht. Dem Roboter gelingt die problemlose Navigation auch auf größeren Flächen mit unterschiedlichen Räumen, Fußbodenbelägen, Einrichtungsgegenständen sowie in absoluter Dunkelheit. Einzig schnell wechselnde Lichtverhältnisse führen beim 980 zu Irrfahrten mit vorübergehendem Verlust der Orientierung im Raum. Dies lässt sich zuverlässig in abgedunkelten Räumen bei vorübergehendem Einschalten einer starken Beleuchtung nachstellen. Wird dieses Szenario, welches auf die visuelle Ortsbestimmung durch das Kameramodul des Roboters zurückzuführen ist, vermieden, steht dem Einsatz bei Nacht und/oder in nicht beleuchteten Räumlichkeiten nichts entgegen. Dank der quadrantbasierten Navigation werden zusammenhängende Reinigungsbereiche in einzelne Segmente unterteilt, welche zuerst über den Rand abgefahren, hiernach im Inneren gereinigt werden. Diesem Vorgehen folgt der iRobot Schritt für Schritt in jedem neuen Quadranten, welchen er abfährt. Ein solcher Abschnitt kann sich unter Umständen auch auf zwei unterschiedliche Räume erstrecken. Ca. 4 x 3 Meter nimmt ein solcher Quadrant ein. Über die Speicherung der Gesamtfläche auf dem Gerät, welche nach Abschluss oder Abbruch des Vorgangs in Form einer Übersichtskarte über die App auch unterwegs zugänglich ist, findet der teilautonome Staubsauger jederzeit zur Basisstation zurück. Bei Befahren größerer Flächen ist eine Nachladung zum Fortfahren des Reinigungsvorgangs notwendig, insgesamt gibt iRobot für sein Topmodell eine Betriebszeit von ca. 120 Minuten an. Je nach Einrichtung, Raumaufteilung und Teppichanteil variiert die Quadratmeterzahl stark.

Saugstufen

Der Roboter bietet lediglich zwei unterschiedliche Saugstufen an, eine normale (Ökomodus) und eine mit erwartungsgemäß hoher Drehzahl des Gebläses (Leistungsmodus), welche sich nicht nur in Bezug auf die Lautstärke während des Betriebs negativ auswirkt. Auch die Betriebszeit und somit die Quadratmeterleistung sinken aufgrund des gestiegenen Stromverbrauchs. Während die beiden Modi dauerhaft aktiviert werden können, bietet der Roomba 980 eine intelligente Alternative. Der sogenannte Turbo-Teppich-Modus wird nach Freigabe durch den Nutzer per App automatisch dann gestartet, wenn der Roboter Teppichflächen befährt, ansonsten operiert das Gerät im Ökomodus. iRobot misst der AeroForce Technologie eine 10-mal größere Saugkraft im Vergleich zu Modellen der 600er und 700er Serie aus dem eigenen Hause zu. Erfahrungsgemäß macht der Turbo-Teppich-Modus durchaus Sinn. Die Reinigungsleistung ist auch im Ökomodus durchaus beachtlich, der Geräuschpegel hält sich in Grenzen, die Reichweitenleistung kann überzeugen. Ein Betrieb des Roboters in der höchsten Saugstufe ist nur bei Verlassen des Haushalts empfehlenswert. Für anwensende Menschen wie Haustiere ist die Lautstärke dann nicht mehr sonderlich erträglich. Gespräche in normaler Lautstärke sind nur im Ökomodus mit Unterbrechungen zu führen, das Konsumieren von multimedialer Unterhaltung nur noch eingeschränkt möglich.

Dreiarmige Seitenbürste mit langen Borsten
Dreiarmige Seitenbürste mit langen Borsten

Sensorik

Ist der iRobot Roomba 980 einmal unterwegs, verhält er sich nach einem für viele nicht chaotisch navigierende Staubsaugerroboter typischen Schema. Nach Start des Reinigungsprozesses dockt der Roboter ab, dreht sich um 180 Grad und fährt hiernach geradeaus bis zum nächsten Hindernis. Entgegen typischer Vertreter der LiDAR-gestützten Navigation wie dem VR200 oder dem D5 Connected sucht der 980 nicht die nächste Kante, um an dieser den Raum abzufahren. Er fährt den Raum gleich nach dem Start Bahn für Bahn ab, bis er auf einen Widerstand stößt, welchen er in der Regel über die oberseitig installierte Kamera im Vorfeld wahrgenommen hat. Erfolgte dies nicht, besitzt der Roboter eine weitere Möglichkeit der Hinderniserkennung, die Erfassung über den sogenannten Bumper, eine umlaufende Verkleidung im Frontbereich des Geräts, welche über Federn und Sensoren Zusammenstöße an die Software liefert. Während dem Roboter bei rechtzeitiger Erkennung das Mittel des Ausweichens bleibt, stoppt dieser bei Aktivierung der Bumpersensoren ruckartig und versucht anschließend, das Hindernis zu umkreisen. Dies gelingt dem 980 bei Stuhl- und Tischbeinen sehr gut, welche er in engen Radien umfährt. Hiernach navigiert der Roboter zurück auf die zuvor berechnete Bahn und folgt dieser bis zum nächsten Hindernis. Die umlaufenden Kanten reinigt der Roboter erst zum Schluss nach Vollendung des entsprechenden Quadranten. Gelingt dem 980 das Anfahren eines Gegenstands nicht, dreht er um die eigene Achse und ermittelt über die Sensorik einen Ausweg. Die Kanten- und Distanzsensoren an der Unterseite des Roboters sollten in regelmäßigen Abständen gesäubert werden, um ihre Funktionstüchtigkeit zu waren. Gleiches gilt für den Bumper, in dessen Spalt an der Unterseite gröbere Verschmutzungen eindringen und die Funktion beeinträchtigen können. Auf Freigängigkeit des Kollisionsschutzes sollte stets geachtet werden.

Verschleißteile des Roomba 980
Verschleißteile des Roomba 980

Reinigungsleistung

Beobachtete man den iRobot Roomba 980 während des Reinigungsprozesses, so fällt auf, dass dieser mit im Vergleich zu anderen Robotern mittlerer Geschwindigkeit seine Bahnen zieht, bei Umrundung von Hindernissen hingegen teils hohe Geschwindigkeiten erreicht. Seine überaus gründliche Reinigungsleistung spricht für sich. Kanten werden sauber und zielführend abgefahren, Hindernisse gekonnt und eng umfahren, auch Schwellen bis zu einer gewissen Höhe gut überstiegen bzw. Rampen erklommen. Feinstaub nimmt der 980 ebenso wohlwollend auf wie größere Partikel. Gemessen an anderen Modellen im gleichen Preissegment bietet der Roboter zwei borstenlose Walzen (Extraktoren) statt einer Kombibürste aus Borsten und Lamellen. Auch fällt die Breite der Extraktoren nicht gegenüber anderen Modellen positiv auf. Insbesondere die Vorwerk- und NEATO-Modelle bestitzen eine deutlich breitere Hauptbürste. Dies macht der Roboter wett, indem er den Raum in schmaleren Spuren häufiger abfährt, zudem durch die im Leistungsmodus enorme Gebläseleistung. Auch größere Objekte wie Flusen, Einstreu von Haustieren, Haarbüschel oder ähnliches nimmt der Staubsauger bereitwillig auf. Da der 980 dank des runden Chassis auf der Stelle drehen kann, gelingt ihm die Anfahrt und Unterfahrt auch schmaler Nischen, er reinigt gründlich bis in kleine Ecken. Begrenzt wird seine Reinigungsleistung nur durch die im Vergleich zu Mitbewerbern länger ausfallende Seitenbürste, welche es ihm erlaubt, Ecken nahezu rückstandsfrei zu reinigen. Auch größere Staubmengen und/oder Haare von Mensch und Tier sowie Staubflusen werden von den gegenläufig agierenden Extraktoren erfolgreich aufgenommen. Ein Umwickeln der Hauptbürste kann beim 980 nicht passieren. Daher ist er aufgrund seiner Walzentechnik besonders für Haushalte mit TrägerInnen langer Haare geeignet.

Akkukapzität

Die Akkukapazität reicht bei einmaliger Anfahrt für über 100 Quadratmeter, selbst im Leistungsmodus. Bei größeren Etagen stellt das Nachladen eine probate Lösung dar, um schlussendlich die Gesamtfläche zu reinigen. Wird der Filter regelmäßig abgesaugt und/oder per Vorfilter vor grober Verschmutzung bewahrt, gelingt dem 980 im täglichen Einsatz eine Reinigungsleistung auch auf kurzfloorigem Teppich (max. Höhe 1,7 bis 1,8 cm), welche mindestens mit allen Mitbewerbern mithalten, wenn nicht gar hervorstechen kann. Insbesondere die nicht chaotische Navigation verhilft dem Roboter zu einem planmäßigen Abfahren des gesamten Reinigungsbereichs, was neben der guten Leistung zur Folge hat, dass die Staubentwicklung sowie der sich frei in der Raumluft bewegende Staubanteil und damit künftige Ablagerungen auf Möbeln und Böden deutlich zurück geht. Allergiker dürften an einer solchen Haushaltshilfe wie dem iRobot Roomba 980 auch aufgrund des guten Filters ihre Freude haben.

App-Unterstützung

Die Ersteinrichtung ist dank der auf Deutsch vorliegenden, äußerst übersichtlichen und mit unzähligen Hilfestellungen versehenen iRobot Anwendung in wenigen Minuten erledigt, bezogen werden kann diese über den jeweiligen App Store von Google oder Apple. Auch die weitere Steuerung des Roboters als auch das Vornehmen aller Einstellungen stellen keinerlei Hindernis dar und dürften selbst im Umgang mit Staubsaugerrobertern ungeübten Käufern in kürzester Zeit gelingen. Regelmäßige Updates der Anwendung stellen den komfortablen und störungsfreien Betrieb der App sicher.

Tipp

Empfehlenswert ist die Einbindung des Roboters in ein separates WLAN, auch als Gast-WLAN oder Gast-Zugang bezeichnet. Die erforderlichen Informationen, um dies zu bewerkstelligen, entnehmen Sie bitte den Konfigurationsseiten Ihres Routers, welchen Sie standardmäßig unter http://192.168.0.1, http://192.168.1.1 oder http://192.168.2.1 über typische Browser erreichen können. Ratsam ist die vorübergehende Freischaltung aller Rechteeinschränkungen im Router, welche das Gast-WLAN betreffen. Auch sollten Sie in diesem Fall alle Filtereinstellungen überprüfen, gegebenenfalls für den Gast-Zugang gesetzte Filter bis nach erfolgreicher Integration Ihres iRobot Staubsaugerroboters inkl. Download und Einrichtung der App deaktivieren.

Topmodell iRobot Roomba 980 des Herstellers
iRobot Roomba 980 vor Ladestation

Widrigkeiten

Der iRobot Roomba 980 vereint zahlreiche positive Merkmale in sich, welche im Fazit noch einmal übersichtlich angeordnet aufgeführt werden. Einzig der hohe Preis als auch der hakelige Schmutzbehälter dürfen nicht unerwähnt bleiben.

Fazit zum iRobot Roomba 980

Wer den hohen Preis nicht scheut, erhält mit dem iRobot Roomba 980 einen Serviceroboter, welcher zahlreiche positive Merkmale in sich vereint. Für aktuell 999 Euro oder preiswerter bei Rabattaktionen erhält der interessierte Käufer folgende Leistungen:

  • teilautonomer Serviceroboter
  • intelligentes und planvolles Navigieren durch Räume oder ganze Stockwerke
  • Kamera zur visuellen Ortsbestimmung und Raumerfassung bzw. -vermessung
  • Betrieb auch bei absoluter Dunkelheit möglich, wenn schnell wechselnde Lichtverhältnisse unterbunden werden
  • Erkennung von Hindernissen und Abgründen durch umfangreiche Sensorik
  • Ausweichen und Umfahren von Gegenständen durch Bumper-, Nahbereichs- und Kollisionssensoren
  • exzellente Reinigungsleistung
  • gegenläufig rotierende Extraktoren
  • Eignung für Mehrpersonenhaushalte mit langem Haar und/oder Haustieren
  • angemessene Geschwindigkeit bei Reinigung
  • verschiedene Saugmodi als Wahlmöglichkeit bei unterschiedlichen Verschmutzungsgraden und/oder Bodenbelägen
  • timergesteuerte Reinigung inkl. Verlaufsdarstellung in iRobot App
  • Steuerung durch App
  • etwas hackeliges Reinigen des eher kleinen Schmutzbehälters sowie leichtes Reinigen der Extraktoren aufgrund der simplen, robusten Mechanik
  • optisch ansprechendes Design und durchdachte Funktionalität
  • sehr hoher Endpreis
  • hervorragender Kundenservice
  • Reparatur und Instandsetzung durch europäischen Dienstleister
  • Möglichkeit der Garantieerweiterung auf 5 Jahre
  • hohe Zuverlässigkeit im Betrieb
  • Preiswertes Zubehör in Originalqualität

Nach nunmehr 4 Monaten Betriebszeit bin ich nach wie vor äußerst zufrieden mit dem Gerät. Eine Empfehlung kann ich guten Gewissens aussprechen. Service, Haptik, Technik und Zuverlässigkeit des iRobot Roomba 980 überzeugen auf ganzer Linie. Nach beginnendem Quietschen eines Radantriebs konnte ich mich von dem hervorragenden Service der Firma iRobot überzeugen und bekam zeitnah ein Ersatzteil zugeschickt, nachdem ich darauf hingewiesen hatte, dass ich den Roboter nur ungern zur Reparatur einschicken wolle. Schlussendlich muss jeder selbst entscheiden, ob ihm ein Haushaltsroboter wie der 980 ganze 1000 Euro wert sind.

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