Staubsaugerroboter oder Staubsauger

Staubsaugerroboter im täglichen Einsatz

Saugen oder saugen lassen? Wo liegen die Vorteile des Einsatzes eines Staubsaugerroboters, worauf sollte der bzw. die geneigte InteressentIn achten?

Als am 30. August 1901 der junge londoner Ingenieur im Bereich Brückenbau – Hubert Cecil Booth – einer öffentlichen Reinigungsvorführung innerhalb der St. Pancras Station im Stadtteil Kings Kross beiwohnte, zeigte er sich wenig begeistert. Der Vorläufer des heutigen Staubsaugers blies per Druckluft Schmutz vor sich her, anstatt diesen in einem Auffangbehälter aufzunehmen. Wenig später ersann Booth nach ersten Selbstversuchen eine ebensolche Apparatur, welche mittels Benzinmotor angetrieben über eine Vacuumpumpe Schmutzpartikel einsaugte, inkl. Staubfilter. Die Idee, ein Gerät zu konstruieren, welches alltäglichen Schmutz aus organischen Bestandteilen wie Blütenpollen, Bakterien, Pilzsporen, Hautschuppen oder Haaren sowie anorganischen Substanzen (Textilfasern und -fusseln, Schadstoffen verschiedenster Art aus Teppichen, Gesteinskörnchen wie Straßenschmutz usw.) beseitigt, resultierte noch in demselben Jahr in der Patentanmeldung des ersten Staubsaugers weltweit.

Evolution des Staubsaugers

Die ersten beiden tonnenschweren Exemplare erwarb der von Booths Maschine begeisterte König Edward VII bereits 1902. Der Gewinn bot die Grundlage für das spätere Unternehmen British Vacuum Cleaner Company, welches sich fortan der Entwicklung von Staubsaugern widmete. Noch im Jahr 1904 eroberte eine tragbare Variante den Markt. Schlussendlich musste sich Booth jedoch infolge des immensen Erfolgs der in den USA durch die Firma Hoover entwickelten Konkurenzprodukte alsbald geschlagen geben. Nach dem ersten Weltkrieg gelangten us-amerikanische Staubsauger nach Europa, bereits 1916 ausgelegt für den Einhandbetrieb, mit einem Staubbeutelsack, in welchen ein Wegwerfbeutel aus Papier integriert war, ab 1926 schließlich mit Bürstwalze und Klopffunktion. Der moderne Bodenstaubsauger und somit auch sein modernes Pendant, der Staubsaugerroboter waren geboren.

Serviceroboter

Von Robotern, welche selbständig Bodenbeläge verschiedenster Art reinigen, durch unterschiedliche Räume navigieren, kleinere Hindernisse wie Türschwellen überwinden, gleichermaßen Ecken wie Kanten sowie auch große Flächen zuverlässig reinigen und damit erheblich zu einer Entlastung der vielfältigen Arbeiten im heimischen Haushalt beitragen, träumte Booth Anfang des letzten Jahrhunderts womöglich nicht. Die Ende des 20. Jahrhunderts erstmals entwickelten Serviceroboter stellten die ersten ihrer Art dar und öffneten den Markt für weitere, teilautonom agierende Haushaltsroboter, die dem modernen Menschen nützliche Dienste erweisen.

Staubsaugerroboter vs. manuelle Reinigung

Ist ein moderner Staubsaugerroboter in der Lage, die Böden eines Haushalts derart sauber zu halten, dass ein manuelles Saugen obsolet wird? Sicher nicht, oder doch? Viele Haushalte werden ein bis zweimal wöchentlich einer intensiveren Reinigung unterzogen: einmal durchsaugen, anschließend Staub beseitigen und bei Bedarf feucht durchwischen. Die Intervalle des Staubsaugens durch den Menschen folgen demnach einem festen Rhythmus, bedingt durch zur Verfügung stehende Freizeit, den inneren Schweinehund sowie den Grad der Verschmutzung. Typische Anzeichen eines solchen Haushalts sind kleinere Staub- oder Wollmäuse, verstaubtes Mobiliar sowie erhöhte Feinstaubpartikel in der Raumluft. Saubermachen kostet Zeit, bindet Arbeitskraft und bereitet den wenigsten Menschen wahrhafte Freude. Was wäre, wenn durch eine tägliche Reinigungsfahrt am Morgen oder Vormittag zu einer Tageszeit, an der niemand Zuhause ist, ein Staubsaugerroboter genau diese Arbeit zufriedenstellend erledigen würde? Es gäbe kaum mehr Notwendigkeit zum manuellen Eingreifen, die allgemeine Staubbelastung im gesamten Haushalt nähme ab, Wollmäuse gehörten der Vergangenheit an, bei Heimkehr fände man seine vier Wände gesaugt und somit gereinigt vor. Bei sinnvoller Investition weniger hundert Euro in einen für den Wohnraum und die dortigen Gegebenheiten in Bezug auf die Einrichtung geeigneten Serviceroboter mutieren häusliche Reinigungsarbeiten zum Kinderspiel. Zuvor für das Staubsaugen aufgewendete Arbeitszeit steht künftig als Freizeit für neue Aufgaben zur Verfügung, die Luftbelastung durch Feinstaubpartikel sinkt und ermöglicht auch AsthmatikerInnen einen unbeschwerteren Aufenthalt im Gebäudeinneren. Bereits nach Wochen wird der elektronische Haushaltshelfer zum wertgeschätzten Familienmitglied, auf welches man im Alltag keinesfalls mehr verzichten möchte. Worauf sollte man beim Kauf achten?

Form und Funktion

Ob rund oder D-förmig, mit oder ohne aufwändige Sensorik zur Raum- und Ladestationserkennung, zum Schutz vor Abgründen und Engstellen, mobilen wie statischen potentiellen Hindernissen, die Technik solcher Staubsaugerroboter hat sich seitdem über anfängliche Schwierigkeiten hinweg massiv weiterentwickelt. Bereits einfache Roboter dieser Gattung erfassen heute mit Kollisionssensor ihre Umgebung sicher und zuverlässig, weichen Gegenständen aus, umkreisen Stuhl- und Tischbeine sowie Möbelfüße und fahren Ecken an, um ihrer Reinigungstätigkeit nachzukommen. Teurere Modelle verfügen über zusätzliche sensorische Detektoren (Ultraschall, Infrarot-Licht, Lasertechnik), welche die Reinigungsqualität weiter optimieren. Ein Ende der Entwicklung scheint nicht in Sicht, ein Ende des Markterfolgs für einige namhafte Unternehmen gleichermaßen nicht.

Leise und zuverlässig im Betrieb

Per Wochenprogramm oder manuell gestartet, leisten derartige Serviceroboter einen wichtigen Beitrag zur Entlastung im Alltag. Mittels elektrischer Radantriebe manövrieren die Helferlein durch ihre Umwelt, während ihre Reinigungsgebläse, unterstützt durch rotierende Haupt- und Seitenbürsten unterschiedlichsten Schmutz aufnehmen. Schwebstofffilter in – je nach Hersteller und Modell – variierenden Qualitätsstandards reinigen die eingesaugte Luft vor dem Austritt auch von feinsten Partikeln. Einige Modelle verfügen gar über sogenannte High Efficiency Particulate Air filter, kurz HEPA-Fiter, welche zwar nicht der EN-Norm genügen müssen, laut Werbeaussagen dennoch bis zu 99,95 Prozent aller Schwebstoffe abscheiden. Selbst leistungsstarke Gebläse höherpreisiger Roboter überraschen mit teils leisem Lauf. Ein Aufenthalt in demselben Raum während eines Reinigungsvorgangs ist bei einzelnen Modellen durchaus vorstell- und/oder ertragbar, wenn auch für Menschen mit funktionstüchtigem Gehör nicht zwingend empfehlenswert.

Durchdacht und servicefreundlich

Dank ihrer mitunter sehr ausgeklügelten Algorithmen, welche die Navigation geradezu intelligent erscheinen lassen, werden selbst Bereiche unterhalb von Sitzmöbeln, Schränken und Betten sowie engere Nischen erfolgreich angefahren, insofern dies die Bauhöhe des Staubsaugerroboters erlaubt. Moderne Lithium-Ionen-Akkus ermöglichen Reinigungsdurchgänge ohne Nachladung von teils weit über 100 Quadratmetern und sorgen auch nach einer Einsatzzeit von über 2 Jahren für genügend Akkukapazität im Sinne eines befriedigenden Reinigungsergebnisses. Nicht nur die technische Seite wertiger Staubsaugerroboter scheint durchdacht, auch hinsichtlich der regelmäßigen Reinigungsarbeiten scheinen sich die verschiedenen Hersteller jüngst vermehrt Gedanken gemacht zu haben. Schmutzbehälter lassen sich leicht entnehmen und reinigen, Filter ohne größeren Aufwand wechseln, Bürsten von Haaren und sonstigen faserartigen Verschmutzungen befreien, alles dies in wenigen Minuten, für jedermann leistbar auch ohne Vorkenntnisse und technische Grundlagen. Überhaupt scheinen Serviceroboter immer mehr auf Nutzer zugeschnitten, welche sich erstmalig auf das Abenteuer Robotik im Haushalt und Heimbereich einlassen.

Mehrwert durch Anpassung

Erfahrenen Nutzern bieten sich mit jedem runderneuerten Modell früherer, erfolgreich am Markt etablierter Staubsauger, kleinere evolutionäre Fortschritte, bspw. durch Entwicklung und Vertrieb einer App, welche den Roboter steuert, Verbesserungen in Bezug auf die Reinigung und Pflege des Produktes, die Saugkraft oder die Hinderniserkennung. Grundsätzlich, auch wenn dies von manchem kritischen Beobachter der Szene bisweilen negiert wird, bieten heutige Staubsaugerroboter bereits einen echten Mehrwert im täglichen Einsatz. Einerseits gelang es den Entwicklern in dieser Sparte erfolgreicher Unternehmen, sich an häusliche Gegebenheiten wie Türschwellen, verschiedene Bodenbeläge mit unterschiedlicher Farbgebung oder ausgefallene Einrichtungsgegenstände anzupassen. Andererseits sind Eigner eines solchen Geräts mehr und mehr bereit, ihre Wohnung den Erfordernissen eines Roboters hinreichend anzupassen. Für manchen Leser mag dieser Umstand beim ersten Lesen sonderbar klingen, jedoch betrifft die gewollte Umgestaltung im Sinne eines problemlosen Betriebs eher Kleinigkeiten, welche im Folgenden näher beleuchtet werden sollen, um den Vorgang transparenter zu gestalten.

Fehlerquellen vermeiden

Schöner Wohnen, ein Printmedium, welches mittels Reportagen, Interviews und Bilderstrecken über neueste Einrichtungs- und Dekorationstrends berichtet, definiert klare Regeln für den Prozess des Einrichtens: Beim Einrichten gibt es Regeln, die immer Bestand haben. Sie helfen dabei, einen Raum ganz grundsätzlich wohnlich einzurichten, unabhängig von Trends. Dieser Grundsatz gilt gleichwohl für einen Haushalt, welcher staubsaugerroboterfreundlich inszeniert wurde. Auch hier gelten gewisse Regeln, welche die Einrichtung eines Hauses, eines Stockwerks, einer Wohnung oder eines einzelnen Raumes mitgestalten sollten, falls Sie ins Auge fassen, in Ihrem Zuhause alsbald einen Roboter die Bodenpflege übernehmen zu lassen.

10 goldene Regeln für einen problemfreien Betrieb

  1. Halten Sie auf Bodenhöhe immer Ordnung!
  2. Vermeiden Sie freiliegende Kabel in Bodennähe.
  3. Ewerben Sie ausschließlich neue Möbel mit einer Unterfahrhöhe von minimal 10,5 Zentimetern
  4. Meiden Sie Freischwinger als Sitzlösungen.
  5. Wählen Sie ausschließlich Tische ohne (Fuß)Sockel.
  6. Gönnen Sie Ihrem Roboter am Aufstellungsort der Basisstation seitlich sowie nach vorne genügend Platz zum ungestörten Navigieren.
  7. Sichern Sie Abgründe in Treppenbereichen und unterhalb von Geländern.
  8. Verzichten Sie auf hochfloorige, langfaserige Teppiche und leichte, kleinere Vorleger.
  9. Richten Sie Türschwellen mit Höhenunterschied barrierefrei ein.
  10. Achten Sie darauf, dass Ihre Kinder und/oder Haustiere die zusätzliche Strom- und Gefahrenquelle in Fußbodennähe soweit als möglich meiden, auch im Betrieb.

Mögliche Problembereiche

Herumliegende Kleidung, Kinderspielzeug in der Größe von Legosteinen oder Playmobil-Kleinteilen, Schnüre, Taschentuchpäckchen u.ä. werden durch den Roboter eingesaugt, verklemmen die Hauptbürste(n) und stoppen den Reinigungsvorgang. Gleiches gilt für lang- bzw. hochfloorige Teppiche sowie Vorleger. Strom-, Lautsprecher- und/oder Netzteilkabel werden bei Kontakt mit der Hauptbürste umgehend eingesaugt. Im besten Fall unterbrechen sie nur den Reinigungsvorgang, im schlimmsten Fall sorgt der kurzzeitig weiterfahrende Roboter dafür, dass an den Kabeln hängende bzw. angeschlossene Geräte von Tischen, Regalböden oder Kommoden herunter gezogen und möglicherweise beschädigt werden. Nicht jeder Roboter besitzt wie der Vorwerk VR200 Kollisionssensoren im Bereich der Lasereinheit. Unterfahren Staubsaugerroboter Möbel und bleiben an ihren Kanten hängen, führt dies nicht selten zu Kratzern und Beschädigungen am Mobiliar. Zudem schadet das Festfahren an und unter Einrichtungsgegenständen sowohl der Elektronik als auch der Mechanik des Roboters. Möbel sollten daher die Mindesthöhe von 10,5 Zentimetern nicht unterschreiten oder gegen ein Festfahren abgesichert werden. Freischwinger und Tischfußsockel werden vom Roboter erklommen, hierbei kommt es häufig zu sichtbaren Defekten an verchromten oder lackierten Bereichen. Sollten derartige Möbel bereits vorhanden sein, lassen sich diese entweder durch entsprechende transparente Schutzfolien vor Beschädigungen bewahren oder sollten vor der Reinigung hochgeklappt bzw. -gestellt werden, um nicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Abstürze vermeiden

Um einen Absturz des Roboters zu vermeiden, sollten jegliche Fallmöglichkeiten entsprechend gesichert werden, auch wenn moderne Geräte unlängst über Sensoren verfügen, welche sie daran hindern sollen. Im Regelfall mögen diese den Staubsauger vor einem Unglück schützen, welches gleichfalls Treppen, Wände und Türen involviert. Es haben sich in der Vergangenheit bereits des Häufigeren festgefahrene Endgeräte rückwärts über Treppenkanten frei gefahren und mangels rückwärtiger Sensorik den fatalen Navigationsfehler und daraus resultierenden Absturz zu spät erkannt. Gleichfalls bieten hohe Türschwellen ein uneindeutiges Lagebild. Sie sind des Öfteren dafür verantwortlich, dass sich Roboter an derlei Stellen festfahren und mit einer Fehlermeldung abbrechen. Um eine durchgehende, ununterbrochene Reinigung zu ermöglichen, sollten derartige Bereiche entweder durch Schließen der Tür unbefahrbar, durch Verwendung von Magnetband bzw. einer Virtual Wall (je nach Modell und Hersteller) abgesperrt oder durch eine Schiene bzw. Rampe befahrbar gemacht werden. Zu guter Letzt benötigt Ihr Haushaltshelfer im Bereich der Basis ausreichend Raum, um die künftigen Reinigungsprozeduren erfolgreich starten und zu dieser ungehindert zurückkehren zu können, um nachzuladen. Der Mindestabstand von 30 Zentimetern (vor, rechts und links daneben) sollte eingehalten werden, um diese typische Fehlerquelle auszuschließen.

Fazit

Die heute im Handel erhältlichen elektronischen Lösungen zur täglichen Bodenpflege zeigen zum Teil eine hervorragende Reinigungsleistung zu vertretbaren Preisen. Nicht nur entlasten Staubsaugerroboter den Menschen durch ihre Arbeit, sie sind auch technisch so fortgeschritten, dass sie in Haushalten mit unterschiedlichstem Mobiliar zuverlässig ihren Dienst verrichten, solange die oben erwähnten Grundsatzregeln eingehalten bzw. berücksichtigt werden. Der Kauf eines Modells ab 350 Euro empfiehlt sich für alle, welche von ihrem Gerät eine zumindest befriedigende Reinigungsqualität erwarten. Höherpreisige Staubsaugerroboter bieten zusätzliche Leistungen wie App-Unterstützung, höhere Saugleistung, intelligentere Navigation oder besseren Kundensupport. Wie in jedem Falle einer Investition sollte auch hier im Vorhinein überprüft werden, welche Anforderungen das Gerät mindestens erfüllen muss. Für nahezu jede Fläche und Erwartungshaltung exisitiert ein passender Roboter. Das zielgerichtete Abwägen von Vor- und Nachteilen insbesondere in Bezug auf die Kletterfähigkeit, Navigation und Reinigungsleistung führen schnell zur passenden Kaufentscheidung. Onlinediskussion- und austauschplattformen wie das Roboter-Forum bieten zudem hinreichende Informationen und Erfahrungswerte zu vielen Modellen und geben einen ersten Überblick über mögliche Problembereiche wie typische Defekte. Schlussendlich habe ich von der Anschaffung meines ersten Staubsaugerroboters sehr profitiert und möchte diese nach Jahren gewohnte Hilfe im Alltag nicht mehr missen.

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