Quartalsaus- und Rückblick

Quartalsblick auf iRobot, Vorwerk, Ecovacs & Co.

Hersteller von Staubsaugerrobotern wie iRobot oder Vorwerk traten zuletzt nur selten in Erscheinung. In Ermangelung neuer Modelle warb man um die Gunst für teils betagte Produktlinien. Hinter den Kulissen plante, entwarf und baute ein jeder derweil begierig an verschiedenen Prototypen, die anschließend intensiv getestet, optimiert und zur Marktreife entwickelt wurden. Zu keiner Zeit stellten Branchengrößen im Bereich Servicerobotik so viele neue Produkte vor wie im auslaufenden Geschäftsjahr 2018. Ob nun Roomba i7, VR300 oder Botvac D6 Connected, kurz vor Weihnachten wird es noch einmal spannend. Im aktuellen Quartalsblick erfahren Sie alles über neue Staubsaugerroboter verschiedener Hersteller.

Erstmals tagte die Internationale Funkausstellung zu Zeiten der Weimarer Republik im Dezember 1924 im zum damaligen Zeitpunkt erblühenden Berlin, einer der drei größten Metropolen in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts, einer Stadt voller Kunst und Kultur, Wissenschaft und Technik. Als größte Industriestadt Europas profitierte das heutige Haupt der Bundesrepublik vom ausschweifenden Lebensgefühl seiner vielfältigen Bevölkerung, der Entstehung erster Großkinos, großen Expressionisten und Avantgardisten ihrer Zeit, einer Fülle an Kleinkunst in Bars, Nachtclubs, Teestuben oder Ballhäusern. Berlin war der Inbegriff einer lebhaften, pulsierenden Weltmetropole. Gänzlich nachvollziehbar scheint demnach die Entscheidung, die erste Funkausstellung im Haus der Funkindustrie am Messedamm auszurichten. 268 Aussteller begeisterten mit elektronischen Geräten wie Kopfhörern oder Röhrenempfängern, wenige Jahre später zierte der neu errichtete Funkturm die Ausstellung. 1926 war auch das Jahr der ersten Live-Berichterstattung über Hörfunk, 1928 schließlich brillierte die Technikwelt mit der weltweit ersten Fernsehübertragung.

Noch heute nutzen internationale Hersteller verschiedenster Branchen die Internationale Funkausstellung in Berlin, um neue Konzepte, Produkte und Dienstleistungen einem breiten Publikum vorzustellen.

Objekterkennung mittels AIVI

Ecovacs, derzeitiger Marktführer im Heimatland China, machte auf das neue AIVI-Programm aufmerksam. Bei diesem handelt es sich nicht etwa um die patentierte Schlaflösung, die Leidgeplagten mittels Infrasonics-Technologie, Erkenntnissen der Neurowissenschaft und auditiver Stimulationsverfahren dabei hilft, Schlafphasen optimaler zu gestalten. Vielmehr steht das vierstellige Akronym laut seinem Schöpfer für eine KI-basierte Technologie, die jene Erkennung von Hindernissen, welche sich viele Besitzer aktueller Serviceroboter seit Jahr und Tag wünschen, vereinfacht. Seien es Kabel, Schuhe, Kleidung oder eine herumliegende Socke, Ecovacs Robotic sieht in der Objekterkennung mittels künstlicher Intelligenz eine mögliche Lösung, um Serviceroboter mithilfe weiterer Sensoren und Kameras künftig noch intelligenter zu gestalten. AIVI steht für Artificial Intelligence and Visual Interpretation. Im Kern bedeutet dies, dass per Bildsensor im Frontbereich ausgestattete neue Produkte, basierend auf der erweiterten Technologie-Plattform, dabei helfen sollen, eine Datenbank mit Gegenständen zu erstellen, auf die in naher Zukunft alle Serviceroboter der Marke zurückgreifen können, um Hindernisse rechtzeitig zu erkennen und zu umfahren. Bilderkennungs- und Interpretationsprozesse laufen bei diesem Konzept grundsätzlich nicht auf der Hardware des jeweiligen Roboters ab, sondern auf den Firmenservern, welche die Daten auswerten, die Ergebnisse abspeichern und dem Roboter in Echtzeit entsprechende Anweisungen übermitteln. So soll über die nächsten Jahre Schritt für Schritt eine Objektsammlung in Form einer mächtigen Datenbank entstehen, die jedem Neukunden nach Aktivierung seines Produktes umgehend zur Verfügung steht. Doch nicht nur das, KäuferInnen sollen mithilfe ihres Roboters gleichfalls zur weiteren Optimierung und Vervollständigung der Datenbank beitragen. Inwieweit das Projekt AIVI zeitnah Früchte trägt, ist bis zum heutigen Zeitpunkt nicht bekannt. Erste Produkte könnten im Jahre 2019 den Weg in Onlineshops und Kaufhäuser finden. Nähere Details zu den Hardwareanforderungen fehlen.

Neato Botvac D4 & D6 Connected

Neato strebt derweil eine Erweiterung der Produktpalette an. Der seit einigen Wochen verfügbare Neato Botvac D7 Connected markiert nach wie vor das Spitzenmodell der Newarker. Darunter platzierten die Kalifornier, auf der IFA gekonnt in Szene gesetzt, die neuen Modelle Neato Botvac D4 Connected und Neato Botvac D6 Connected. Beide basieren auf der Plattform der Connected-Reihe mit den Vorgängern D3 und D5 Connected. Die neueren Geräte setzen ebenfalls auf die D-Form, bieten eine besonders breite Kombi- (D4) oder spiralförmige Kombibürste (D6), warten mit unterschiedlich effizienten Filtereinsätzen auf, können wie gewohnt App-gesteuert und in vorhandene Smart-Home-Systeme erfolgreich eingebunden werden (Amazon Alexa, Google Home, IFTTT oder Facebook Chatbot usw.). Neato macht auch in Sachen Software Zugeständnisse verschiedener Art. KäuferInnen der aufgehübschten Mittelklassemodelle lockt man mit verschiedenen Funktionserweiterungen wie No-Go-Linien (Virtual Wall) oder Reinigungskarten. Der D6 kann im Vergleich zum D4 sogar mehrere Grundrisse samt eingezeichneter Absperrlinien speichern. Nur die Zonenreinigung wird, so die Übersicht auf der entsprechenden Produktwebsite des Herstellers, auch weiterhin dem D7 vorbehalten sein, gleichfalls eine manuelle Fernsteuerung innerhalb der App, um den Roboter per Tastendruck gezielt zu steuern. Bis zu 120 Minuten soll der Nachfolger (D6) des D5 an einem Stück reinigen können, dem D4 bleiben hierfür nur rund 75 Minuten, immerhin 15 mehr als beim Vorgänger D3. Inwieweit die beiden Roboter D3 und D5 Connected auch weiterhin gehandelt werden, ist nicht bekannt. Man darf getrost davon ausgehen, dass diese alsbald den neueren Geräten weichen und auslaufen werden. Ob nun Extra-Care oder die Eco- bzw. Turbo-Modi, die Neuen wirken ausgewachsen, durch die erweiterten Softwarefunktionen gleichauf mit etwaigen Konkurrenzprodukten. Einzig die Neigung, sich an Möbeln rückwärtig empor zu bewegen, scheinen die EntwicklerInnen auch dem D4 und D6 nicht vollends abgewöhnt zu haben. Möglicherweise wird sich Neato in den nächsten Monaten erweichen lassen und die Zonenreinigung für die kleineren Modell ebenfalls bringen. Viel Hoffnung scheint angesichts der vorliegenden Informationen jedoch nicht zu bestehen. BesitzerInnen eines Neato Botvac D3 oder D5 Connected dürften derweil erfreut über die gute Nachricht sein, dass beiden Modellen die Möglichkeit der Kartenspeicherung und Einzeichnung virtueller Linien nicht vorenthalten bleiben soll. Mit einem späteren Funktionsupdate sollen beide Optionen entsprechend nachgepflegt werden. Ob auch die Zonenreinigung, die bis dato dem D7 vorbehalten scheint, auf die älteren Geräte D3 und D5 Einzug halten wird, ist weiterhin unklar.

iRobot Roomba i7 & i7+

Derweil plant iRobot mit den überarbeiteten Entwürfen E5, i7 und i7+ den großen Angriff auf die potentielle Konkurrenz aus den USA und China. Lange hielt man sich in Sachen Produktupdate bedeckt. Am 6. September ließ iRobots CEO Colin M. Angle weltweit Hersteller wie Neato, Ecovacs und Co. erzittern, als er mit dem i7+ ein bereits bekanntes Konzept, aufgefrischt mit einer Reihe interessanter Funktionen, der Öffentlichkeit in einer Pressemitteilung offenbarte. Bis zu 10 speicherbare Grundrisse, automatische Entleerung des Schmutzbehälters an der Basis, welche über einen einfach zu entnehmenden Filterbeutel verfügt. Einzelraumreinigung auf Tastendruck (App, zeitgesteuert einzelne oder eine Auswahl an Räumen reinigen), Sprachsteuerung, im Grunde bleiben beim neuen Topmodell des Konzerns aus Massachusetts kaum Wünsche offen. Zierte man sich über die letzten 12 Monate, der 900er-Serie weitere sinnstiftende Funktionen zu spendieren, so zielt man nun erneut auf die betuchte Käuferschaft und offeriert ein Serviceroboter-Konzept, welches so bislang einzigartig und bei keinem anderen Hersteller zu finden ist. Dank der Option, die Absaugstation samt Ladebasis auch im Nachhinein hinzu zu kaufen (Austausch des Schmutzbehälters nötig), können Interessierte zu einem fairen Preis in das Segment der 7er-Klasse einsteigen und sich bei Bedarf erweitern. Leicht überarbeitete Extraktoren, iAdapt 3.0, eine angepasste App und die einfache Einbindung in Amazons und Googles Sprachsteuerungsdienste runden das Angebot ab. Mit dem e5 greifen die Bedforder zugleich im hart umkämpften Bereich der Chaossauger mit einem neuen Modell an, welches nicht nur über die effizienten Bürsteneinheiten der 7er-Serie verfügt. Dank der Erkennung besonders verschmutzter Areale, der App- und Sprach-Steuerung als auch der maximal 90-minütigen Akkukapazität scheint selbst der Kleine gewappnet für kleinere bis mittlere Haushalte in den nächsten Jahren. Bislang bietet nur Ecovacs mit dem R98 (Absaugstation inkl. Handsauger) ein ähnliches bzw. vergleichbares Produkt zur 7er-Modellreihe, ohne die Mehrzahl der genannten Softwarefunktionen. Gleichfalls wurde die App überarbeitet. iRobot scheint mit dem i7+ der große Wurf gelungen: Die Robotiklösung vereint eine Technologieplattform, die sich über die nächsten Jahre dank der performanten Hardware (CPU, RAM usw.) mit weiteren Funktionen updaten lässt, gepaart mit einem noch höheren Level an Anwenderfreundlichkeit (Absaugstation, App, Funktionsumfang), das alles zu einem noch fairen Preis.

Vorwerk Kobold VR300

Derweil lockt Vorwerk mit einem überarbeiteten Entwurf des VR200. Der VR300 getaufte Kobold glänzt nicht nur mit einer saftigen Preiserhöhung. Für beachtliche 949 Euro wechselt ein solches Exemplar den Besitzer. Indes werben die Wuppertaler fleißig mit zahlreichen Neuerungen. Beschieden sei dem neuesten Spross eine höhere Saugleistung inkl. überarbeiteter Hauptbürste und stärkerem Bürstenmotor (30 statt 10 Watt) im Vergleich zum Vorgänger, der auch weiterhin erhältlich bleiben soll. Form und Höhe bleiben erhalten, die Bedienung über die um exklusiv für den VR300 erhältliche Funktionen erweiterte Vorwerk-App selbstverständlich auch. Soft-Touch-Knöpfe ersetzen das so hilfreiche Display des Prädezessors. Über diese lassen sich automatische und Spot-Reinigungen starten, der Roboter zurück zur Basis schicken oder der Gebläse-Modus wechseln (Eco). LEDs informieren nun nicht nur mehr über den Ladestand, sondern auch über den Füllstand des Behälters oder Fehlermeldungen, die zuvor noch über das Display des VR200 angezeigt wurden. Ultraschall-, Wand-, Boden- und Kontaktsensoren blieben vollumfänglich erhalten. Reicht die Fläche über die Kapazität des Roboters hinaus, kann dieser künftig in nur 1 Stunde zwischenladen, um seinen Job zu beenden, je nach Größe der Restfläche. Die Kartierung des Haushalts und anschließende Speicherung hilft dabei, Bereiche durch virtuelle Linien auszugrenzen, in denen der Roboter nicht aktiv werden soll. Die App-Einrichtung gestaltet sich nach ersten Informationen genauso simpel wie beim Vorgänger. Menü und Hilfestellungen sind übersichtlich, durchdacht, lassen sich selbst von Ungeübten bewerkstelligen. Alsbald soll durch ein Update die Speicherung gleich mehrerer Karten möglich werden. Eine Zonenreinigungsfunktion ist bis dato nicht verfügbar. Ob diese ähnlich wie beim Neato Botvac D7 Connected noch im 4. Quartal 2018 nachgebessert wird, ist mir nicht bekannt. Sprachsteuerung und Software-Updates über WLAN (OTA für over the air) runden das vielerorts eingeforderte Bedürfnis nach Smart-Home-Integration und -Funktionalität ab. Derweil wirbt man mit weiterhin aktiv um KäuferInnen für den betagten Kobold VR200, welcher vor wie nach einen vortrefflichen Job in vielen europäischen Haushalten leistet.

Roborock & Co.

Boschs Roxxter wurde für den August 2018 angekündigt. Mittlerweile steht er wortwörtlich in den Startlöchern, war kurzzeitig in wenigen Shops gelistet. Ob er schlussendlich noch im vierten Quartal 2018 pünktlich zum Weihnachtsgeschäft seinen Weg in die Läden findet, muss sich zeigen. Überzeugend wirkte das Konzept zumindest auf dem Papier. Xiaomis Startup Roborock ziert sich gleichfalls in Bezug auf ein Produktupdate. Zwar ist ein weiteres Modell im Werden, wann dieses schlussendlich erscheint, bleibt offen. Jene, die auf einen reinen Wischroboter hoffen, dürfen weiterhin gespannt sein. Ob noch zum Jahresende ein neues Flaggschiff der Chinesen vorgestellt wird? Der Herbst gilt traditionell als Release-Zeitpunkt für neue Roboter des Herstellers (September 2016 – Mi Vacuum Robot, September 2017 – Sweep One bzw. S50). Sicher ist, ein Nachfolger steht in den Startlöchern. Die gleiche Ungewissheit herrscht in Bezug auf Produktupdates der Volumenhersteller iLife oder LG.

Fazit

Man darf gespannt sein, welche Hersteller des Weiteren im auslaufenden Geschäftsjahr 2018 mit neuen Produkten um Kundschaft werben werden. Xiaomi jedenfalls ist nach wie vor ein Kandidat mit echtem Überraschungspotential. Andere Branchengrößen wie iRobot, Vorwerk oder die Konzerntochter Neato haben ihre Hausaufgaben gemacht. Smart-Home ist noch stärker in aller Munde. Die Newarker kündigten laut The Verge jüngst eine Zusammenarbeit mit Google an, um durch iRobot-Saugroboter generierte Kartierungsdaten zur Optimierung der Funktionalität anderer Smart-Home-Produkte (Lichtsteuerung usw.) zu verwenden. Ob die weltweite Kundschaft dieses Bestreben des Teilens sensibler Informationen mit anderen Unternehmen gut heißen wird? Eines scheint jedenfalls klar. Mit dem Roomba i7 und i7+ bietet iRobot derweil ein technisch auf der Vorlage des Roomba 980 gereiftes Produkt an.

Zwar stößt der neue i7+ (Roboter inkl. Absaugstation) möglicherweise in bislang unberührte Preisregionen eines Bosch Roxxters vor, brilliert nichts desto trotz in punkto Bedienung und Komfort. Erste Tests lassen eine hervorragende Reinigungsleistung vermuten. Ecovacs wirbt derweil mit dem Konzept der Hinderniserkennung per Videokamera. Neue Produkte, basierend auf dem AIVI-Konzept werden erst für 2019 erwartet. Vorwerk erweitert mit dem Kobold VR300 das Portfolio nach oben hin und bietet spätestens mit dem nächsten großen Update typische Smart-Home-Funktionen wie virtuelle Linien oder Zonenreinigung. Dessen Konzerntochter Neato umgarnt die Kundschaft mit den nur geringfügig aktualisierten Modellen D4 und D6 der bekannten Connected-Serie, welche die Vorgänger D3 und D5 ersetzen werden. Für jeden Anspruch, Haushalt und Bedarf scheint ein passendes Produkt vorhanden. Wann iRobot i7 und Kombination aus Roboter sowie Absaugstation in Form des i7+ in Deutschland auf den Markt wirft, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Es darf jedoch angenommen werden, dass man das Weihnachtsgeschäft ebenso wie andere Hersteller im Blick hat. Der e5 jedenfalls ist bereits über verschiedene Onlinehändler verfügbar.

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