Ecovacs Deebot 900 vor Basisstation

Testbericht des Ecovacs Deebot 900

Chinesicher Marktführer Ecovacs erweitert die DEEBOT-Serie um Modell 900: Hohe Saugleistung bei geringem Betriebsgeräusch, HEPA-Filterung und LiDAR-basierte Navigation, des Weiteren smarte Kartenfunktionen wie Virtual Wall, Bereichsreinigung und Raumzuweisung – der Ecovacs Deebot 900 bietet viel fürs Geld. Was der Roboter zu leisten im Stande ist, erfahren Sie im folgenden Testbericht.

Nach Präsentation der ersten beiden Modelle der DEEBOT-Baureihe anlässlich der IFA 2017 erfuhr der chinesische Hersteller Ecovacs Robotics, der mittlerweile in über 30 Ländern weltweit Roboter aus dem eigenen Hause vertreibt, in den Folgemonaten breite Aufmerksamkeit in den Medien. Jene mediale Resonanz fokussierte insbesondere auf das größere Modell, den Ozmo 930 inkl. Wasserreservoir und Microfasertuch. Angefacht wurde das Interesse durch die zahlreichen Funktionen in Bezug auf Hard- und Software, welche in dieser Form vereint in einem einzigen Staubsaugerroboter zum damaligen Zeitpunkt einzigartig waren. Ein Roboter für alle Aufgaben, technische Lösungen für verschiedenste Haushalte, Anpassung und komfortable Steuerung per App, der 930 schien für viele die Alternative zum klassischen Zweigespann aus reinrassigem Saug- und Wischroboter. Der hohe Einstiegspreis ließ den ein oder anderen jedoch zögern, motiviert durch den Willen zum Verzicht auf die Funktionalität des Feuchtwischens.

Nun liefert Ecovacs nach und veröffentlicht am 05. April 2018 nach Monaten der Entwicklung eine Alternative für Kaufinteressierte, welche neben zwei Saugstufen zusätzlich eine automatische Kartenerweiterung bietet und das für einen Preis jenseits der 450 Euro. Der Ecovacs Deebot 900 stellt im weißen Gewand einen modernen Staubsaugerroboter dar, der laserbasiert navigiert, ausgerüstet mit zahlreichen Sensoren zur Kollisions- und Absturzvermeidung, ausreichend großem Schmutzbehälter und ähnlich leichter Handhabung wie beim größeren Modell. Im Preissegment unter 500 Euro tritt er an gegen Produkte etablierter Marktgrößen wie Neato oder Xiaomi. Letzterer Hersteller schaffte in den zurückliegenden ca. 19 Monaten einen unvergleichlichen Start in der Robotiksparte und gehört bereits anderthalb Jahre später zu einem der größten Mitbewerber des chinesischen Marktführers Ecovacs Robotics, welcher ca. 65 Prozent Marktanteil im Heimatland hält. Der D900 ist die Antwort auf den Xiaomi Mi Vacuum Robot, bietet mit der virtuellen Begrenzung, Priorisierung von Reinigungsaufgaben und automatischen Kartenspeicherung Optionen, die bis zum heutigen Tage selbst dem Xiaomi Roborock Sweep One (S50) oder dem Neato Botvac D7 Connected vorbehalten bleiben.

Im Preissegment des D900 tummeln sich weitere leistungsstarke Roboter wie die Modelle Neato Botvac D3 & D5 Connected oder der iRobot 96x, insofern die genannten preisreduziert im Angebot veräußert werden. Gemessen an den dem DEEBOT zugeschriebenen Fähigkeiten kann jedoch keiner der Aufgeführten dem Chinesen das Wasser reichen. Das mittlere Modell ringt demnach mit etablierten Volumenmodellen anderer Konzerne um Marktanteile in einer der umkämpftesten Preisklassen der Robotiksparte, konkurriert hinsichtlich der Software eher mit teureren Modellen wie dem hauseigenen 930. Als Teilnehmer des Ecovacs-Beta-Test-Programms hatte ich die Möglichkeit, den neuen DEEBOT über ca. 3 Monate vor Marktstart umfassend zu testen und mir ein ausführliches Bild zu seinen Fähig- und Fertigkeiten zu machen. Lohnt der Erwerb des 900 und kann dieser die vielen Versprechungen halten, mit denen Ecovacs Robotics Europe um KäuferInnen wirbt?

Ecovacs Deebot 900 vor Basisstation
Ecovacs Deebot 900 vor Basisstation

Überblick

Im Folgenden wird ein Vorserienmodell des Staubsaugerroboters, welches mir im Rahmen des Beta-Test-Programms freundlicherweise von Ecovacs zur Verfügung gestellt wurde, hinsichtlich seiner Stärken und Schwächen Schritt für Schritt analysiert und beschrieben. Diese Einschätzungen wurden unter dem Gebot der Objektivität verfasst, enthalten möglicherweise zudem subjektive Eindrücke. Des Weiteren beziehen sich diese Erfahrungswerte auf lediglich ein Exemplar des Modells, basieren ausschließlich auf dem sechsmonatigen Betrieb im Haushalt des Autors, welcher sich in Größe, Ausstattung, Wahl des Bodenbelags, der Raumaufteilung usw. mitunter stark von dem anderer InteressentInnen unterscheidet. Dies gilt es beim Lesen der nächsten Abschnitte unbedingt zu bedenken.

Inhaltsverzeichnis

  1. Bestellung & Versand
  2. Verpackung & Lieferumfang
  3. Optik & Haptik
  4. Schmutzbehälter
  5. Pflege & Wartung
  6. Hardware & Software
  7. Grundsätzliches
  8. Bediendung
  9. Navigation
  10. Saugstufen
  11. Sensorik
  12. Reinigungsleistung
  13. Akkukapazität
  14. App-Unterstützung
  15. Tipp
  16. Widrigkeiten
  17. Fazit
  18. Update #1

Bestellung & Versand

Wie schon die Modelle Ozomo 610 und 930 werden auch den Neuling D900 verschiedene Onlineshops zeitnah in ihr Sortiment aufnehmen, je nach Lieferbarkeit erster Chargen. Somit dürfte das Gerät alsbald auch lokal in entsprechenden Elektronikfachmärkten bereit stehen. Je nach Verfügbarkeit wird der Preis gerade in den ersten Wochen nach Markteinführung nur geringfügig variieren. Ein großer Vorteil des D900: Man erhält ihn im Gegensatz zu Xiaomis Produkten inkl. der üblichen zweijährigen Gewährleistung auf kurzem Versandwege, kann bei technischem Defekt schnell und einfach mit dem jeweiligen Versandhändler in Kontakt treten und erhält die Möglichkeit zur Reparatureinschickung oder zum direkten Tausch. Eventuell besteht bei Kauf die Chance, den Roboter inkl. einer erweiterten Garantie zu erwerben. Egal ob zum normalen oder rabattierten Preis erworben – über die Jahre der Nutzung hinweg dürfte sich diese schnell bezahlt machen.

Erfahrungswerte mit unterschiedlichen Produkten verschiedener Hersteller entlarven die Anfälligkeit eines solch komplexen, kleinen technischen Systems. Zu viele Teile an einem Staubsaugerroboter wie etwa die Motoren der Radantriebe, die Plastikgetriebe, der LDS-Motor, die Laser-Diode oder aber der Gebläsemotor unterliegen hoher Beanspruchung. Diese über Jahre hinweg je nach Verwendungshäufigkeit mehr oder minder belasteten Bestandteile unterliegen einem gewissen Verschleiß. Ausfälle nach zwei bis drei Jahren liegen im Bereich des Erwartbaren, bestenfalls Möglichen. Hier sollte keinesfalls am falschen Ende gespart und auf eine derartige Absicherung verzichtet werden. Ein Ausfall, eine Reparatur bei einem in- oder ausländischen Dienstleister, der Versand hin und zurück, alle diese Faktoren summieren sich im ungünstigsten Fall auf mehrere Wochen, hohe Rechnungsbeträge für die Instandsetzung inbegriffen. Eine entsprechende Gerätegarantie kann den Ausfall zumindest aus finanzieller Sicht leidlicher gestalten und einem die Freude am Roboter auch über solch ärgerliche Zwischenfälle hinweg erhalten. Eine Reparatur ist nicht zuletzt in Bezug auf den eigenen ökologischen Fußabdruck sinnvoll. Andere Bauteile des Deebot hingegen dürften über viele Jahre zuverlässig arbeiten und dem Roboter hoffentlich einen Einsatz auch nach Ablauf der gesetzlich geregelten Gewährleistung bescheren.

Mein Testgerät wurde mir durch den Ecovacs-Europe-Manager H. Hess zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug für den Roboter hatte ich als einer der ca. 10 TeilnehmerInnen am Beta-Programm die Aufgabe und gleichzeitig große Chance, mittelbar nach Inbetriebnahme Verbesserungswünsche und Optimierungsvorschläge an das Unternehmen weiter zu reichen und so konkret an der Marktreife des Produktes mitzuwirken, insbesondere im Bereich App. Auch hardwareseitig teilte ich meine Einschätzungen und erlangte über das Programm einen weiteren, tiefergehenden Einblick bezüglich der Anforderungen eines Staubsaugerroboters. Die Arbeit mit dem Vorserienmodell des Ecovacs Deebot D900 bereitete Spaß und offerierte zugleich, wie wichtig es ist, dass Kunden in solche Prozesse direkt mit eingebunden werden, um ein Gebrauchsmuster wie den Roboter in allen seinen Aspekten eingehend zu testen, aus Sicht des bzw. der AnwenderIn. Ecovacs zeigte sich sehr interessiert an konstruktiv geäußerter Kritik, im Willen, den 900 weiter zu optimieren.

Verpackung & Lieferumfang

Der Roboter wird, wie in der Vergangenheit andere Exemplare auch, gelagert in einer stabilen Kartonage in einer ansprechenden, sicheren Verpackung geliefert, der eigentliche Staubsauger lagert in einer Schale, mehr oder minder erschütterungssicher. Neben dem Serviceroboter befinden sich eine Ladestation samt ca. 2 Meter langem europäischen Netzkabel, ein bürstenloser Saugschachteinsatz, eine Bedienungsanleitung, ein kleiner Kamm zum Entfernen von Mensch- oder Tierhaaren sowie sonstiger Fasern aus der Hauptbürste, zu guter Letzt HEPA-Filter und Ersatzseitenbürsten im Lieferumfang. Nach Auspacken der Einzelteile ist das Inbetriebnehmen des Roboters innerhalb kürzester Zeit erledigt. Auch der Tausch des Hauptbürstenkastens lässt sich einfach bewerkstelligen. Magnetband oder mit Infrarotlicht-gesteuerte Absperrvorrichtungen sind nicht beigelegt, da der DEEBOT diese Funktionen einzig via App umsetzt.

Optik & Haptik

Als ich den 900 erstmalig auspackte, war ich recht angetan vom frischen, zeitgemäßen Design des Geräts. Der neueste Ecovacs-Sprössling ist in schlichtem Weiß und Grau gehalten, wirkt modern gestaltet und ist überzeugend verarbeitet. Die verwendeten Kunststoffe fühlen sich wertig an, die Oberseite des Roboters besteht aus glänzendem Material, welches dank der Farbe zwar anfällig für Kratzer scheint, diese sind jedoch nur bei genauerem Blick auf Anhieb zu erkennen. Bumper, Rück- und Unterseite sowie das Chassis des Staubsaugerroboters hingegen bestehen aus mattem Polymer, wirken ebenso robust und verleihen dem Gerät die notwendige Stabilität. Während die Optik gefällt, ist die Haptik gleichfalls überzeugend. Einzig ein Griff zum leichteren, einhändigen Transport, bspw. zwischen verschiedenen Stockwerken, fehlt dem Deebot. Stattdessen muss der Roboter eher umständlich beidhändig getragen werden. Der in großen Teilen aus transparentem Kunststoff bestehende Schmutzbehälter gibt nach Öffnung der Klappe an der Oberseite des Geräts einen ersten Blick auf die aufgenommene Schmutzmenge frei. Der Kunststoff hätte aus meiner Sicht gerne etwas heller gestaltet sein können. Xiaomis Lösung ist ein gutes Beispiel. Bei diesem gelingt angesichts des hell-transparenten Polymers ein sofortiger, untrüglicher Blick auf die Restkapazität. Rückwärtig am Behälter angebracht ist der mehrteilige Filter des Staubsaugers, dessen Filterfeingewebe durch einen Vorfilter sowie einen Grobfilter vor allzu schnellem Verschleiß geschützt ist. Der Schmutzbehälter sitzt dank der Arretierung mittels des Tragegriffs sowie umlaufender Gummidichtungen sicher und staubdicht im Chassis und lässt sich durch Aufrichten des Griffstücks entnehmen. Teils sitzt dieser so fest, dass man vorsichtig daran ziehen muss, um den Behälter aus seinem Schacht zu lösen.

Weiterhin zugänglich sind durch einfaches Öffnen der oberseitigen Klappe der physische Ein-Aus-Schalter, über welchen ich sehr erfreut war, des Weiteren ein Reset-Knopf, um den Roboter bzw. dessen WLAN zurück zu setzen. Durchdacht zeigt sich vor allem die Ausrichtung der Klappe. Xiaomi hat diese beim Roborock Sweep One im Vergleich zum Vorgänger in der Öffnungsrichtung geändert. Lief man beim Xiaomi Mi Vacuum noch Gefahr, eine geöffnete Klappe nach dem Entleeren des Schmutzbehälters eventuell bei timergesteuerter Reinigung durch Abbrechen zu verlieren, schließt diese beim Folgemodell nach hinten und schlösse sich beim Unterfahren von Möbeln einfach selbst. Umso mehr freute es mich, diese durchdachte wie simple Lösung ebenfalls beim D900 zu entdecken. Der für die Klappe als auch den Behälter verwendete Kunststoff ist als sehr stabil zu werten. An der Oberseite des Roboters befindet sich der Start-Stopp-Pause-Knopf, mit welchem durch kurzes Drücken automatische Reinigungen am Gerät selbst gestartet werden können, durch langes Drücken eine punktuelle Säuberung in Gang gesetzt werden kann.

Auffällig ist das weiche Material der Hauptbürste, die Borsten sind zudem im Vergleich zu anderen Robotern eher kurz geraten, dafür verfügt der 900 über gleich zwei Seitenbürsten, welche dank ihrer langen Borsten über eine beachtliche Reichweite auch in Ecken verfügen. Inwieweit sich die weichen, kurzen Borsten der Hauptbürste auf das Reinigungsergebnis auswirken, zeigen die Erfahrungswerte im unteren Abschnitt „Reinigungsleistung„. In Sachen Entnahme jedenfalls gibt es nichts zu beanstanden. Alle Bürsten lassen sich anfängerfreundlich leicht entnehmen, die Arretierungen der Halterungen sind logisch nachvollziehbar, die Bedienung und vor allem Ersteinrichtung kann wie bei anderen Geräten von Neato, iRobot oder Xiaomi notfalls auch ohne Blick in die Anleitung erfolgen. Die Arretierung des Bürstenkäfigs arbeitet zuverlässig, die Reinigung der Bürste selbst geht daher leicht und schnell von Statten. Gleiches gilt für den Austausch einer Seitenbürste. Dies lässt sich ohne Werkzeug jederzeit auch während einer Reinigung bewerkstelligen.

Schmutzbehälter

Der bis auf den Deckel  sowie die Filterabdeckung zu großen Teilen aus transparentem Kunststoff bestehende mittegroße Schmutzbehälter fasst ca. 0,45 Liter, lässt sich leicht über die Oberseite unterhalb der zugehörigen Klappe entnehmen, sobald die Arretierung desselben gelöst wurde. Aufgrund der dunklen Färbung des Polymers ist ein direkter Blick auf seinen Füllstand nur in beleuchteter oder tagheller Umgebung möglich. Möchte man den Filter reinigen, so stößt man auf einen dreischichtigen Aufbau aus abwaschbarem Vor- und Grobfilter sowie dahinter liegendem absaugbaren Feinfilter. Diese Konstruktion ist bei Robotern der Marke iLife beliebt und hat wie vieles im Leben Vor- und Nachteile. Das Reinigen des Vorfilters unter fließendem Wasser ist eine tolle Sache. Über 2 Stunden getrocknet kann dieser erneut eingesetzt und der Roboter verwendet werden. Beim Grobfilter jedoch weiß man nicht so recht, ob man ihn besser auswaschen oder absaugen soll. Dieser liegt ferner nur zwischen beiden Filterlagen, ist äußerst leicht und verschwindet beim Säubern per Staubsauger gerne in dem ein oder anderen Staubsaugerbeutel. Aufgrund der Umständlichkeit habe ich mein Exemplar alsbald entfernt und einzig das Gespann aus Vor- und Feinfilter verwendet. Ersterer ließe sich auch ausschließlich trocken reinigen. Allerdings verwirrt mich nach wie vor die kleine Auslassöffnung des Feinfilters. Eigentlich geht der Trend hin zu immer größeren Filteroberflächen, um den maximalen Durchlass des verwendeten Vlieses über die größtmögliche Zeitspanne während eines Reinigungsvorgangs zu erzielen.

Der Auslassbereich des Filters verengt sich jedoch bereits am Feinfilterrahmen auf einen solch geringen Bereich, dass man mutmaßen könnte, der Luftdurchsatz sei deutlich geringer als bei anderen Geräten. Dass dem nicht zwingend so ist, zeigen die Reinigungsergebnisse, welche durchaus überzeugen können. Der Filtereinsatz kann preiswert getauscht werden, wird durch eine Klemme im Behälter fixiert. Alles lässt sich leicht öffnen und ist auch zum Aussaugen gut zugänglich. Einzig die Reinigung macht aufgrund des mehrschichtigen Aufbaus ein klein wenig mehr Arbeit. An dieser Stelle hätte sich Ecovacs gerne beim in Xiaomi erwachsenden Konkurrenten etwas abgucken dürfen. Deren Behälter- und Filterlösung scheint ideal, leicht zu reinigen, einfach zu pflegen. Nichts verbiegt sich beim Einsetzen und Herausnehmen des Behälters. Sogar eine kleine Klappe Richtung Ansaugschacht ist vorhanden und verhindert das Herausfallen von eingesaugten Bestandteilen beim Transport des Schmutzbehälters über den Griff. Auch ein Herunterfallen dürfte der Behälter dank der dicken Kunststoffmaterialien überstehen. Hier zeigt sich Ecovacs Erfahrung im Roboterbau. Schlussendlich lässt sich der Behälter anwenderfreundlich handhaben, durch die große Öffnung bequem aussaugen, ausklopfen oder einfach entleeren, zudem feucht auswischen und verweilt aufgrund der umlaufenden Dichtungen am Zugang zum Saugkanal und Gebläseeingang (rückseitig am Chassis) fest und dicht im Schacht.

Pflege & Wartung

Einsicht in Fehlermeldungen erhält man über textbasierte Hinweise bei Blick auf das Display des Roboters oder über Status- sowie akustische Mitteilungen Sekunden nach Auftreten eines Problems innerhalb der Ecovacs-App. So bleibt man selbst unterwegs hinsichtlich typischer Unterbrechungen durch Kabel, Festfahren auf Türschwellen, an Fußleisten, auf schwarzen Teppichen oder sonstige Störmeldungen immer auf dem Laufenden. Im Bereich rechts vorne unterhalb der Abdeckung des Schmutzbehälters befindet sich ein physischer Ein-Aus-Schiebeschalter, welcher insbesondere bei längerer Nichtbenutzung oder bei Auftreten von Gerätefehlern zur Anwendung kommt. Die auf beiden Seiten gelagerten fünfgliedrigen Seitenbürsten sind farbig gekennzeichnet, deren Aufnahme am Roboter ebenfalls. So können diese beim Ersetzen nicht vertauscht werden. Das Aus- und Einklinken geht einfach von der Hand, erfordert beim Wechseln jedoch etwas Kraft, um die verbrauchte Bürste zu entfernen. Die langen Borsten halten ebenso zuverlässig wie kürzere Varianten von Neato oder Vorwerk, so mein erster Eindruck nach Wochen der Nutzung. Dies gilt womöglich jedoch nicht für die Hauptbürste. Dessen Borstenmaterial ist so weich, dass sich in mir beim Einsetzen bzw. Überprüfen anlässlich der Inbetriebnahme Zweifel an ihrer Tauglichkeit regten, bislang unbegründet. Die Bürste macht, was sie soll und reinigt auch auf Teppich vernünftig. Bei dem im Lieferumfang befindlichen Exemplar handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Kombibürste (Borsten und Lamellen), für welche beispielsweise Neato explizit aufgrund ihrer Eignung für Tierhaushalte wirbt. Auch der Bürstenkörper der Ecovacs DEEBOT-Bürste neigt nach ersten Versuchen dazu, längere Haare um sich selbst zu wickeln. Da sich beide Bürstenarten dank der pfiffigen Arretierung leicht entnehmen lassen, um diese von Haar- und Flusenrückständen zu befreien, steht einer wöchentlichen Wartung grundsätzlich nichts im Wege. Ein Werkzeug zur Entfernung von Haarbüscheln liegt ebenfalls bei.

Arretierung des Behälters durch Tragegriff
Arretierung des Behälters durch Tragegriff

Hardware & Software

Die Ladestation des Roboters ist ein Leichtgewicht, das Netzteil ist integriert. Großflächige Gummierungen an der Unterseite sollen ein Verrutschen im Alltag unterbinden. Ganz gelingt diesen das nicht. Es empfiehlt sich auch beim Ecovacs Deebot D900, die Basisstation mittels doppelseitigem Klebeband auf einer festen Unterlage oder aber direkt auf dem jeweiligen Fußbodenbelag am endgültigen Aufstellungsort nach einigen Testfahrten (Klebestreifen auf gummierte Flächen ausreichend) zu fixieren. So kann die Ladestation auch nach mehrmaligem Anfahren – der DEEBOT neigt dazu, dies häufiger als gewünscht zu tun – nicht verschoben werden, was die Wahrscheinlichkeit des Roboters, diese nach erfolgreichem Reinigungsprozess nicht mehr wiederzufinden, nachhaltig ausschließt. Die Basis ist schmal und klein gehalten, wirkt nicht ganz so schick wie der 900, scheint ein einheitliches Produkt für die gesamte DEEBOT-Serie zu sein und kommt in mattem Schwarz – ausgenommen der Bereich, hinter dem sich die beiden Infrarot-LEDs befinden – daher. Die Ladekontakte befinden sich im an der Oberseite der Stellfläche, verschmutzen daher leicht und sollten in bestimmten Abständen trocken gereinigt werden.

Das Andocken erfolgt zentimetergenau über die Vorderseite, aber nur dann, wenn die Basis am Stromnetz angeschlossen ist. Ein Betrieb mittels Zeitschaltuhr ist beim neuen DEEBOT bis zum heutigen Zeitpunkt nicht möglich, da sich der Roboter sofort nach dem Kappen der Stromzufuhr auf die Suche nach seiner Station begibt. Da diese im Falle der Netztrennung jedoch nicht mehr auffindbar ist, irrt der 900 im eigenen Haushalt umher, in der Hoffnung einer alternativen Auflademöglichkeit. Der Wunsch, dem Roboter auch bei Verlust der Stromzufuhr das Verbleiben an der Station beizubringen, wurde bereits geäußert und wird über eines der nächsten Firmware-Updates hoffentlich umgesetzt. Dank der Infrarottechnik erfolgt das Andocken im Regelfall äußerst zuverlässig. Leider ist das Netzkabel, welches die Basis mit Strom versorgt, fest integriert. Die Station lässt sich über zwei Kreuzschlitzschrauben zwar leicht öffnen, jedoch müsste im Falle eines Defekts das Ersatzkabel auf der Platine angelötet werden. Hier zeigen sich andere Hersteller nachsichtiger mit kleineren Kabelunfällen und spendieren ihren Basen Netzkabel, welche über eine Kupplung verfügen und bei Bedarf jederzeit ausgetauscht oder durch ein längeres bzw. kürzeres ersetzt werden können, ohne größere Eingriffe.

Grundsätzliches

Einmal angedockt, lädt der Roboter den Akku zu 100% Prozent auf, insofern Strom anliegt. Kann das Gerät die Ladestation nicht erreichen, wird über die zugehörige, sehr übersichtliche App sowie per Sprachausgabe auf den Umstand des fehlgeschlagenen Andockmanövers hingewiesen. Der Roboter signalisiert gleichfalls Komplikationen während des Reinigungsvorgangs, bspw. beim Einsaugen von größeren Gegenständen (Kleidung, Kabel, hochflorige oder leichte Teppiche), welche die Hauptbürste blockieren, bei Steckenbleiben unter Möbelstücken oder Hängenbleiben auf Türschwellen. Ebenso gibt der Roboter über die LEDs am Start-Stopp-Pause-Knopf Informationen zum Updatefortschritt der Firmware, zum Ladestatus (blaues Pulsieren) als auch zu aufgetretenen Problemen (rotes Blinken) aus. Die App wurde in den vergangenen Monaten während der Erprobungsphase als auch nach dem erfolgreichen Marktstart mehrmals aktualisiert, basierte auf jener Version, welche bereits zum Steuern der beiden Ozmo-Modelle 610 und 930 veröffentlicht wurde und kann über den Google Play Store oder Apples App Store selbstverständlich kostenlos geladen werden.

Die Akkukapazität des Roboters lässt sich zwar über die Status-LED am Roboter überprüfen, allzu genau ist diese jedoch ebenso wenig wie die jeweilige Angabe innerhalb der Ecovacs-Anwendung. Eine farbliche Abstufung, wie sie Xiaomi vorgenommen hat (Weiß bei vollem Akku, Orange bei teilentlehrtem Akku, Rot bei aufgebrauchter Kapazität) empfände ich als sehr sinnvoll. Leider informiert ein Blick auf die LED nur im Falle der Notwendigkeit des Nachladens. Dieses vollführt der Ecovacs Deebot D900 vollautomatisch, wie man es in dieser Preisklasse auch von Mitbewerbern gewöhnt ist. Innerhalb der App ließe sich die Funktion des Zwischenladens während eines Reinigungsvorgangs auf größerer Fläche zudem deaktivieren. Die Sprachausgaben sind jederzeit verständlich, nach Inbetriebnahme auch in Deutsch verfügbar und durch eine weibliche Stimme realisiert.

Bedienung

Über die Geräteoberseite zugänglich ist der eine, zentrale Bedienknopf des Roboters, der als Start-, Stop- und Pause-Knopf dient und durch längeres Drücken die Rückkehr zur Basis auslöst. Weitere Tasten wurden nicht vorgesehen. Ein Display, wie es dem Neato Botvac D7 Connected oder dem Vorwerk Kobold VR100 und VR200 spendiert wurde, gibt es beim Deebot nicht. Die Bedienung, Konfiguration und Anpassung der Reinigungsaufgaben (Zeitsteuerung, Raumwahl usw.) passiert ausschließlich innerhalb der App-Anwendung von Ecovacs. Andere Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Roboter sind nicht vorhanden. Zudem ist für die Anbindung des Geräts eine stetig vorhandene Internetverbindung erforderlich. Hinsichtlich der Anwenderfreundlichkeit kann man diesbezüglich geteilter Meinung sein. Stehen das Smartphone und/oder Tablet mal nicht zur Verfügung, können zumindest die beiden relevantesten Funktionen über die zentrale Bedientaste am Gerät realisiert werden. Ein Display sowie weitere Schnellwahltasten – AEG zeigt dies beim aktuellen Modell RX9 in vorbildlicher Weise – hätten auch einem 900 sicher gut gestanden und dessen Konfiguration in manchen Momenten, in denen smarte Geräte nicht greifbar oder das Internet nicht verfügbar ist, deutlich vereinfacht.

Eine WLAN-Status-LED informiert neben den bereits näher erläuterten Anzeigeoptionen der Start-Stopp-Pause- und Rückkehr-zur-Basis-Taste über die Existenz einer Verbindung zum häuslichen Netzwerk. Weitere Informationsquellen über den Zustand des Roboters liegen nicht vor. Ein Hinweis bei vollem Behälter wäre beispielsweise eine sinnvolle Ergänzung gewesen und erleichterte dem bzw. der NutzerIn die tägliche Arbeit mit dem Deebot.

Der Staubsaugerroboter kennt seit dem letzten Firmware-Update zwei Betriebszustände, die Modi Standard und Hoch, welche sich einzig auf die Gebläseleistung des Roboters beziehen. Nach vollständiger Aufladung befindet sich der Roboter bei Nichtbenutzung im Falle des erfolgreichen Andockens an die Basisstation im Standbymodus, verbraucht ca. 2 Watt pro Stunde. Sollte der Roboter abgedockt aufbewahrt oder angedockt über die Ladestation nicht mit Strom versorgt werden, schalten Sie diesen bitte über den physischen Ein-Aus-Schalter unterhalb der Klappe zum Schmutzbehälter aus, um eine Irrfahrt auf der Suche nach einer Lademöglichkeit zu unterbinden. Sollten Sie ihn dennoch ohne Stromzufuhr parken, schaltet sich der D900 alsbald nach x Stunden dank seines Energiemanagments selbständig aufgrund der schwindenden Akkukapazität ab und verhindert so wirkungsvoll eine Tiefentladung. Um timergesteuert reinigen zu können, muss der Roboter in diesem Fall manuell per Druck auf den Ein-Aus-Knopf oder durch erneutes Verbinden der Basis mit dem Stromnetz aus dem Ruhemodus vor der definierten Uhrzeit erweckt werden. Der Ruhestrom in diesem Zustand ist als äußerst gering zu bezeichnen, der Roboter könnte so einige wenige Tage ohne Zugang zum Stromnetz überdauern, ohne nachgeladen werden zu müssen. Aufgrund der Akkutechnik (Nickel-Metallhydrid) sowie des zeitintensiven Ladens von 4 bis 5 Stunden ist ein Aufbewahren in eingeschaltetem Zustand dennoch fernab der Basis nicht empfehlenswert. Per Schiebeschalter lässt sich das Gerät komfortabel ausschalten. Einer längeren Nichtnutzung und anschließenden Reaktivierung steht somit nichts im Wege.

Die Navigation des Ecovacs Deebot D900 weist deutliche Parallelen zur planvoll navigierenden Staubsaugerroboter-Baureihe 900 des US-amerikanischen Robotik-Marktführers iRobot auf, mit einem kleinen, aber feinen Unterschied. Während auch die großen Roombas  nicht wie Neatos Connected-, Vorwerks VR- oder Xiaomis Roborock-Serie erst die Kanten abfahren, um anschließend das Innere zu reinigen, sondern nach einer 180-Grad-Drehung sofort mit dem Ziehen systematischer Bahnen in den Reinigungsvorgang starten, zeigt sich der 900 insbesondere beim Auftreffen auf Möbelfüße und kleinere Hindernisse von seiner ganz individuellen Seite. Unbeirrt verfolgt der Deebot auch in solchen Situationen das Vollenden seiner je nach Position der Basis im Idealfall parallel mit Wänden verlaufenden Bahnen. Kreuzt ein Sofa, ein Stuhl oder auch nur ein Fuß seinen Weg, weicht er diesem aus, fährt jedoch ausdrücklich nicht um diesen herum. Während beispielsweise der 980 immer wieder Runden um Tisch- oder Sesselbeine vollführt und sich kurzzeitig von seinem eigentlichen Weg abbringen lässt, fährt der 900 stur voran, ohne das Hindernis gezielt zu umkreisen. Letzeres hat aus meiner Sicht ein paar entscheidende Nachteile. Ein Umrunden bedeutet, dass auch feiner Schmutz neben dem Objekt wirkungsvoll beseitigt wird und diese Stellen keineswegs unbearbeitet bleiben. Indem der Deebot jedoch ohne Abkehr seiner vorgegebenen Richtung folgt, fährt er allenfalls an solchen Füßen entlang und vorbei, nähert sich diesen im Einzelfall jedoch nicht genügend über eine der beiden mit langen Borsten besetzten Seitenbürsten an, um an solchen Stellen gründlich zu säubern. Was hinsichtlich der Geschwindigkeit begünstigend wirkt, zeigt sich in Bezug auf die Reinigungsqualität nicht vollständig als Gewinn. Zwar lässt der neue Ecovacs kaum bis keine Stellen auf freier Fläche aus, unterhalb eines Tisches zwischen unzähligen Stuhl- und Tischbeinen kann derlei Zuwerkegehen der Gründlichkeit jedoch stark abträglich sein.

Sie sollten, insofern Sie über solche Aufenthalts- und Sitzbereiche mit ausgewiesenen Engstellen verfügen, dem Roboter auf seinen ersten Fahrten folgen und ihm bei seiner Arbeit aufmerksam zusehen, um zu überprüfen, ob er Ihrer individuellen Komposition aus unterschiedlichem Mobiliar gewachsen ist. Dem DEEBOT gelingt im Regelfall die problemlose Navigation auch auf größeren Flächen mit unterschiedlichen Räumen, Fußbodenbelägen, Einrichtungsgegenständen sowie in absoluter Dunkelheit. Dank der quadrantbasierten Navigation werden auch bei den neuesten DEEBOT-Geräten zusammenhängende Reinigungsbereiche in einzelne Segmente unterteilt und nacheinander gereinigt. Ein solcher Abschnitt kann sich unter Umständen auch auf zwei unterschiedliche Räume erstrecken. Über die Speicherung der Gesamtfläche in einer Übersichtskarte, welche über die App bereits während des Reinigungsvorgangs einsehbar ist und für den Benutzer leicht zugänglich im Bereich Reinigungsprotokoll gespeichert ist, findet der teilautonome Staubsauger jederzeit zur Basisstation zurück, insofern diese mit dem Stromnetz verbunden ist. Bei Befahren von Flächen größer 85 bis 90 m² ist mit einem einmaligen Nachladen zu rechnen, da die Kapazität des Akkumulators vor allem in der hohen Gebläsestufe nicht zuletzt durch die NiMh-Akkutechnik begrenzt ist. Sobald der Deebot aufgeladen ist, setzt er die Reinigung am zuletzt angefahrenen Punkt fort, um diese schließlich vollständig zu beenden. Im Zweifelsfall kann dies bedeuten, dass der Roboter mehrmals zwischenladen muss. Da dies jedoch mit erheblichem Zeitaufwand verbunden ist, sollten Sie, falls Ihr Haushalt die 130-Quadratmeter-Marke übersteigt, die Reinigung auf einen Zeitraum legen, in dem Sie bestenfalls nicht zugegen sind. Insgesamt gibt Ecovacs für den Neuling eine maximale Betriebszeit von ca. 90 Minuten an. Je nach Einrichtung, Raumaufteilung und Teppichanteil variiert die Quadratmeterzahl stark.

Desgleichen scheint es empfehlenswert, die Station bündig zu einer der kurzen Raumkanten aufzustellen. Der Roboter richtet seine ersten Bahnen zur Erstellung der Grundkarte (erster Reinigungsvorgang nach Inbetriebnahme des Roboters oder erfolgreichem Zurücksetzen in den Werkszustand), welche hiernach gespeichert wird und als Basis für die Zuteilung von Räumen inkl. spezifischer Bezeichnung dient, im 90-Grad-Winkel zu dieser aus. Sein weiteres Vorgehen erfolgt im Befahren von Bahnen parallel zu dieser ersten. Das letzte Firmware-Update behob nun auch den Umstand, welcher sich bei einer leicht verschobenen oder verdrehten Ladestation ergab. Bis zu diesem Zeitpunkt nahm der Deebot bei Ersterstellung der Karte die ersten Zentimeter in rückwärtiger Fahrt während des Abdockens, um hiernach die gesamte weitere Navigation zu richten. Stand die Basis schief, fuhr der Roboter im gesamten Haushalt nach diesem Muster und begegnete so Fußleisten, Hindernissen, Möbeln oder Türschwellen in einem teils äußerst ungünstigen Winkel. Nur Chaossaugern sowie dem iRobot Roomba 980 im Doppelmodus (um 45 Grad versetzte Fahrtrichtung bei Absolvieren des zweiten Reinigungsdurchgangs) ist bis dato zu eigen, in schräger Ausrichtung zu den Kanten der Räume eines Haushalts zu navigieren. Die daraus resultierenden Unterbrechungen des Reinigungsvorgangs durch Liegenbleiben führten zu erheblichen Zeitverlusten, Verringerung der Akkukapazität während der Wartezeit und der Notwendigkeit, wiederholt einzugreifen, um den Roboter in seiner Arbeit zum Fortsetzen zu bewegen. Zu allem Übel ließ der neue DEEBOT gar einzelne Bereiche innerhalb eines Raumes oder ganze Zimmer aus, da der Anfahrtswinkel des 900 mit halb geöffneten Türen nicht mehr harmonierte. Dies scheint, so die Erfahrungen der letzten Tage, Schnee von gestern. Auch nach mehrmaligem Zurücksetzen des Geräts, gewollt verdrehter Ausrichtung der Basis und verschiedener Testläufe suchte der Roboter stets die 90-Grad-Ausrichtung zu einer der langen Wände am Aufstellungsort seiner Basis und zog hierauf gekonnt ebensolche Bahnen im gesamten Haushalt. Nur das Liegenbleibeproblem auf meiner Fußmatte und der Türschwelle zwischen Flur und Küche sowie die mangelnde Fähigkeit, Hindernisse einmalig zu umrunden, um auch die letzten Staubkörnchen aufzunehmen, verblieben und lasen Raum zur Nachbesserung.

Saugstufen

Der Ecovacs Deebot D900 verfügt über insgesamt zwei Geblässtufen, Standard und Hoch. Letztere wirkt sich nicht nur in Bezug auf die Lautstärke während des Betriebs negativ aus, auch die Betriebszeit und somit die Quadratmeterleistung sinken aufgrund des gestiegenen Stromverbrauchs. Auf Teppich ist die Stufe Hoch zu empfehlen, um ein möglichst gründliches Reinigungsergebnis zu erzielen. Erfahrungsgemäß betreiben viele BesitzerInnen eines Staubsaugerroboters ihr Gerät nach anfänglicher Testphase in der höchsten Saugstufe nach Verlassen des Haushalts. Auch künftigen EignerInnen eines D900 sei dieses Vorgehen ans Herz gelegt. Für anwesende Menschen wie Haustiere ist die Lautstärke in der normalen Gebläsestufe sehr erträglich, im Power-Modus zeigt sich diese jedoch mit zunehmender Aufenthaltszeit in ein und demselben Raum von ihrer unangenehmen Seite. Dem Vorserienmodell war zudem ein lautes Fiepen im Standard-Modus zu eigen, welches bereits nach kurzer Verweildauer an den Nerven zehrte.  Dieser Makel scheint beim marktreifen Produkt behoben. Dennoch sei auf den Umstand hingewiesen, dass ein jeder Saugroboter, egal wie leise er auf Hochglanzprospekten oder Webpräsenzen der Unternehmen angepriesen wird, auf Dauer durch seine Geräuschemissionen erheblichen Stress verursachen. Gespräche in normaler Lautstärke sind vornehmlich in der hohen Gebläsestufe mit Unterbrechungen durchaus möglich, das Konsumieren von multimedialer Unterhaltung jedoch nur noch eingeschränkt. Wurde der Modus Hoch über die App oder am Gerät per mehrsekündigem Drücken auf den Ein-Aus-Knopf während des Reinigens aktiviert, wird dieser bei allen künftigen zeitgesteuerten Reinigungsprozessen gleichfalls abgerufen und muss nicht ein jedes Mal erneut angewählt werden.

Sensorik

Der Ecovacs Deebot D900 verfügt über Infrarot-LEDs in der Front (Bumper), welche den Roboter vor einem unmittelbaren Zusammenstoß mit Hindernissen wie Möbelfüßen, Wänden, Türrahmen etc. warnen sollen. Erkennt er diese Objekte zuverlässig, umfährt er sie im Halbbogen und folgt anschließend der zuvor berechneten Route. Erfolgte dieser Vorgang nicht zuverlässig, was bei verchromten, metallischen, glänzenden, stark reflektierenden oder gläsernen Oberflächen durchaus vorkommen kann, besitzt der Roboter zwei weitere Möglichkeiten der Hinderniserkennung: Einerseits die Erfassung über den Laser an der Oberseite des Roboters, andererseits die Erfassung einer Kollision mit dem Gegenstand und/oder Lebewesen über den sogenannten Bumper, eine umlaufende Verkleidung im Frontbereich des Geräts, welche über Federn und Sensoren Zusammenstöße an die Software liefert. Der DEEBOT-Serie des Herstellers ist in Bezug auf die Ozmo-Modelle sowie den D900 eine Besonderheit gemein, die bislang nur der Kobold VR200 von Vorwerk zeigt.

Die LiDAR-Einheit des Geräts ist mit einem zusätzlichen Kontaktsensor ausgestattet. Eine wert- bzw. sinnvolle Maßnahme bei Einsatz in Haushalten, in denen beispielsweise Betten oder Kommoden nicht die notwendige Mindest-Unterfahrhöhe besitzen. In solchen Fällen rammt ein gewöhnlicher Staubsaugerroboter, der systematisch arbeitet und demzufolge mit großer Wahrscheinlichkeit über eine Laser-Einheit verfügt, die über das Gerät hinaus ragt, mit letzterem Gegenstände in seiner Höhe. Wer einem solchen Schauspiel bereits beiwohnen konnte, kann nachvollziehen, dass bei derartigen Fahrmanövern mitunter kostenintensive Defekte des LiDARS die Folge sind. Um den Ausfall des Haupt-Navigationsinstruments zu verhindern, stoppt der Berührungskontakt an der Front des LiDAR-Gehäuses die Geradeausfahrt, sobald der Roboter in der Höhe des Lasers mit einem Objekt kollidiert. Zu niedrige Möbel stellen folglich beim Ecovacs Deebot D900 kein explizites Problem dar, einen Umbau durch Höherlegung sollten Sie dennoch in Betracht ziehen.

Während dem Roboter bei rechtzeitiger Erkennung das Mittel des Ausweichens bleibt, stoppt dieser bei Aktivierung der Bumpersensoren (Front und LiDAR) ruckartig und versucht anschließend, das Hindernis zu umfahren, nicht aber zu umkreisen. Dies gelingt ihm bei Stuhl- und Tischbeinen, solange diese nur vereinzelt den Weg versperren, durchaus. Schwierigkeiten zeigt der Roboter hingegen bei vermehrtem Auftreten solch störender Objekte, beispielsweise in Sitz- und Wohnbereichen. Gelingt dem Ecovacs das Umfahren eines Gegenstands nicht, dreht er sich auf der Stelle und ermittelt hierdurch über die Sensorik einen Ausweg. Der Kantensensor wie auch die restlichen an der Unterseite des Roboters sollten in regelmäßigen Abständen gesäubert werden, um ihre Funktionstüchtigkeit zu wahren. Gleiches gilt für den Bumper, in dessen Spalt an der Unterseite gröbere Verschmutzungen eindringen und die Funktion beeinträchtigen können. Auf Freigängigkeit des Kollisionsschutzes sollte stets geachtet werden.

Reinigungsleistung

Beobachtet man den Ecovacs Deebot D900 während des Reinigungsprozesses, so fällt sofort auf, dass dieser beim Wenden und bei Geradeausfahrt teils mit im Vergleich zu anderen Robotern deutlich höherer Geschwindigkeit vorgeht. Dies spricht grundsätzlich nicht gegen eine gründliche Reinigungsleistung, dennoch lässt der Roboter bei Kollision mit mehreren Möbelfüßen auf engem Raum auch schon mal kleinere Bereiche aus. Dies ist den Navigationsalgorithmen geschuldet, welche den Roboter daran hindern, Objekte, die seinen Fahrtweg durchkreuzen, einmal vollständig zu umrunden. Kanten fährt der 900 ausschließlich beim Drehen bzw. Richtungswechsel ab. Eine explizite Reinigung, welche bei Modellen von Neato, Vorwerk oder Xiaomi zielführend zielführend vor dem Säubern der inneren Bereiche erfolgt, ist der Ecovacs hingegen nicht zu leisten in der Lage. Hindernisse, welche rechtzeitig erkannt wurden, werden gekonnt und größtenteils eng umfahren. Hier profitiert der Roboter von den langen Seitenbürsten auf beiden Flanken, welche in der Regel selbst feinen Schmutz an runden Gegenständen wirkungsvoll entfernt. Schwellen bis zu einer gewissen Höhe (je nach Typ, Steigung und Kantenprofil bis zu 1,5 cm) werden teils gut überstiegen.

Die Souveränität eines iRobot 980 oder Roborock Sweep One erreicht der 900 jedoch nicht. Feinstaub nimmt der Xiaomi vor allem in der hohen Saugstufe ebenso wohlwollend auf wie größere Partikel trotz seiner überaus feinen Borsten. Diese zeigen sich auf Teppich relativ effektiv und tragen zum guten Saugergebnis auf niederflorigem Bodengrund bei. Gemessen an anderen Modellen im gleichen Preissegment und höherpreisig bietet der D900 eine relativ schmale Hauptbürste, die in ihrer Breite mit der des iLife A6 gleichzieht. Diesen Umstand macht der Roboter wett, indem er den Raum in schmaleren Spuren häufiger abfährt, ähnlich einem Xiaomi Mi Vacuum Robot. Auch größere Objekte wie Flusen, Einstreu von Haustieren, Haarbüschel oder ähnliches nimmt der Staubsauger beim Überfahren auf. Da der Roboter dank des runden Chassis auf der Stelle drehen kann, gelingt ihm bei passender Ausrichtung der Fahrtwege auch die Anfahrt und Unterfahrt schmaler Nischen. Dennoch scheint er genau in diesen Situationen beispielsweise einem Xiaomi Staubsaugerroboter unterlegen, da die Modelle des Konkurrenten durch ihre überlegene Navigation selbst Engstellen zuverlässig säubern, während der Deebot an solchen Bereichen teils einfach vorbei zieht. Begrenzt wird seine Reinigungsleistung demzufolge vor allem durch seine Programmierung, andererseits durch die geringe Saugleistung auf niedrigster Stufe. Hier sollte darauf geachtet werden, dass der Roboter selbst bei geringer Verschmutzung der zu reinigenden Fläche insbesondere auf Teppichflächen in der hohen Gebläseeinstellung operiert, da ansonsten die Reinigungsleistung nicht ausreichen könnte, um auch größere Staubmengen und/oder Haare von Mensch und Tier sowie Staubflusen erfolgreich aufzunehmen.

Akkukapzität

Die Akkukapazität reicht bei einmaliger Anfahrt für ca. 75 bis 95 Quadratmeter, je nach gewählter Leistungsstufe. Bei größeren Etagen stellt das Nachladen angesichts der exaltierten Ladezeit von 4 bis 5 Stunden eine nur ansatzweise probate Lösung dar, um schlussendlich die Gesamtfläche zu reinigen. Der Roboter empfiehlt sich eher für kleinere Haushalte, deren Fläche er in einem Durchgang absolvieren kann. Wird der Filter inkl. des Vor- und Grobfilters regelmäßig abgesaugt, gelingt dem 900 im täglichen Einsatz eine Reinigungsleistung auch auf kurzflorigem Teppich (max. Höhe 1,5 cm), welche mit Konkurrenzprodukten anderer Hersteller durchaus mithalten kann. Insbesondere die nicht chaotische Navigation verhilft dem Roboter im Idealfall (berücksichtigt werden müssen der Aufstellungsort und die Ausrichtung der Basisstation, die vorliegende Raumaufteilung inkl. Art des Mobiliars sowie die Öffnungsrichtung von Türen) zu einem planmäßigen Abfahren des gesamten Reinigungsbereichs, was neben der ordentlichen Leistung zur Folge hat, dass die Staubentwicklung sowie der sich frei in der Raumluft bewegende Staubanteil und damit künftige Ablagerungen auf Möbeln und Böden deutlich zurück geht. Allergiker dürften an der mehrschichtigen Filterung einer solchen Haushaltshilfe wie dem Ecovacs Deebot D900 ihre Freude haben.

App-Unterstützung

Die Ersteinrichtung gestaltet sich dank der übersichtlich gehaltenen Anwendung, welche sowohl für Android- als auch für Apple-Geräte inkl. Tablets im jeweiligen Store verfügbar ist, einfach und dürfte auch von bislang mit dem Thema Staubsaugerroboter unbedarften Personen zu bewerkstelligen sein. Sicher gestellt werden sollte in jedem Fall, dass der Roboter nicht allzu weit entfernt vom Router oder Access Point bzw. Range Extender entfernt während der Verbindungsphase positioniert wird. Ein Bereithalten an der Ladestation ist hierfür nicht notwendig. Die Anwendung unterstützt eine Reihe verschiedener Sprachen, darunter auch Deutsch, bietet eine Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten, so auch die Wahl der Gebläsestufe, Timerprogrammierung, Reinigungshistorie oder einen aktuellen Blick auf einen bereits gestarteten Prozess in der Kartenansicht. Letztere ist gut verständlich gestaltet, wird ohne größere Latenz Sekunde für Sekunde aktualisiert und zeigt so jederzeit, an welcher Stelle sich der Roboter gerade befindet. Neben der Anzeige der gesäuberten (Gesamt)Quadratmeter, (Gesamt)Reinigungsdauer, (Gesamt)Anzahl von Reinigen und vorliegenden Akku-Restkapazität (teils eher wenig zuverlässige Schätzung ohne Prozentangabe) bietet die Software gleichfalls die Möglichkeit, nur einen Teilbereich, basierend auf der gespeicherten Karte, auszuwählen und diesen gezielt zu reinigen.

Zudem sind NutzerInnen dazu in der Lage, die Gesamtkarte in einzelne Segmente aufzuteilen, welche umbenannt bzw. angepasst werden können und eine zeitgesteuerte Reinigung nur in diesen Bereichen ermöglichen, alles ganz vollautomatisch. So könnte in Abwesenheit der Hausbewohner der gesamte Haushalt gereinigt werden beispielsweise ab 8 Uhr morgens nach dem Frühstück, wenn alle Familienmitglieder ihren Aufgaben nachgehen. Des Weiteren zum Beispiel abends ab 20 Uhr nach dem gemeinsamen Essen in den Räumlichkeiten Küche und Esszimmer, welche nun nicht mehr genutzt werden, um etwaige Krümel und Co. zeitnah zu beseitigen. Ecovacs bietet über die entsprechende App demzufolge die Chance, Reinigungsaufgaben noch stärker hinsichtlich der Erfordernisse und Wünsche der BewohnerInnen zu personalisieren, ein Weg, den alsbald sicher auch andere Hersteller gehen werden. Ist die Verbindung mit dem heimischen WLAN-Netzwerk erst einmal geschafft, kann der Roboter künftig über die App konfiguriert und bedient werden. In der jüngeren Vergangenheit lieferte Ecovacs wiederholt Updates der App als auch der Firmware für den D900 aus, auch wenn dieser sich noch im Erprobungsstatus befand. Die Anwendung lässt gleichfalls die Verbindung zu anderen Robotern zu, sie entspricht derjenigen Variante, die auch für andere Modelle der M-, N-, Ozmo- und R-Serie genutzt wird. Somit ließen sich in einer App ganz unterschiedliche Roboter verwalten und bedienen, gleich anderer Lösungen von iRobot, Neato oder Xiaomi.

Tipp

Wie bei jedem anderen Produkt auch empfiehlt sich gleichwohl beim Einbinden des Ecovacs Deebot D900 Roboters die Aufnahme in ein separates WLAN, auch als Gast-WLAN oder Gast-Zugang bezeichnet. Die erforderlichen Informationen, um dies zu bewerkstelligen, entnehmen Sie bitte den Konfigurationsseiten Ihres Routers, welchen Sie standardmäßig unter http://192.168.0.1, http://192.168.1.1 oder http://192.168.2.1 über typische Browser erreichen können. Ratsam ist die vorübergehende Freischaltung aller Rechteeinschränkungen im Router, welche das Gast-WLAN betreffen. Auch sollten Sie in diesem Fall alle Filtereinstellungen überprüfen, gegebenenfalls für den Gast-Zugang gesetzte Filter bis nach erfolgreicher Integration Ihres Xiaomi Roboters inkl. Download und Einrichtung der App deaktivieren.

Ecovacs Deebot D900
Ecovacs Deebot D900

Widrigkeiten

Der Ecovacs Deebot 900 vereint zahlreiche positive Merkmale in sich, welche im Fazit noch einmal zusammengefasst werden. Einige wenige, überdenkenswerte Nachteile dürfen dennoch nicht unerwähnt bleiben:

  • kein vollständiges Umrunden von Möbelfüßen und Objekten, Möglichkeit des Liegenbleibens von Schmutzresten gegeben
  • Abhängigkeit zwischen Planung bzw. Ausführung der Raumaufteilung inkl. nachfolgender Fahrtwege und Möglichkeit der Auslassung einzelner Bereiche oder ganzer Räume bei teilgeöffneten Türen gegeben (verschiedene Aufstellungsorte prüfen)
  • Neigung zum Festfahren an Fußleisten und Türschwellen, insofern der Anfahrtswinkel auf das entsprechende Objekt ungünstig ausfällt oder die Schwelle auf beiden Seiten in ihrer Höhe abfällt
  • maximale Flächenleistung bei unter 100 Quadratmetern pro Akkuladung
  • veraltete Akkutechnik (Nickel-Metallhydrid)
  • lange Ladezeit von 4 bis 5 Stunden bei vollständiger Entleerung, Zwischenladen inkl. Reinigung größerer Flächen sehr zeitaufwendig
  • in Ausnahmefällen Schwierigkeiten beim Navigieren in Engstellen
  • dreischichtiger Filter (Vor-, Grob- und Feinfilter) erschwert Reinigungs- und Wartungsarbeiten
  • fehlende Direktwahltasten für Spotreinigung, Rückkehr zur Basis

Fazit zum Ecovacs Deebot 900

Ecovacs hat sich auf dem chinesischen Markt unlängst einen Namen gemacht. Der Hersteller von Servicerobotern ist hierzulande auch über etablierte Onlineshops inkl. der typischen zweijährigen Gewährleistung erhältlich, die App-Anwendung ist auf Deutsch, bei Defekt des eigenen Geräts kann zeitnah repariert bzw. getauscht werden. Alle diese Punkte sprechen für den neuen Deebot. Als KäuferIn geht man kein Wagnis ein, wartet womöglich über Wochen auf sein Gerät und muss dieses umständlich ins Ausland verschicken bei Auftreten eines Defekts oder gänzlich abschreiben, insofern dieser größer ausfällt als erhofft und wichtige Ersatzteile nicht verfügbar sind. Der Ecovacs Deebot 900 zielt auf jene KaufinteressentInnen ab, die mit dem Erwerb eines Xiaomis angesichts der bislang mangelnden Unterstützung im gesamteuropäischen Wirtschaftsraum hadern. Wer Wert auf Service legt, auf Umtauschmöglichkeiten bei Nichtgefallen und mit einem Haushalt bis 100 Quadratmeter Größe beglückt ist, kann im neuen DEEBOT einen möglichen Kandidaten für die künftige Reinigungsarbeit finden. Kann wohlgemerkt, denn es gibt Alternativen im stark umkämpften Segment zwischen 250 und 500 Euro. Diejenigen, welche einen zeitlos designten, technisch bis auf die Akkutechnik modernen, komfortabel per App steuerbaren und seitens des Unternehmens durch Updates für Anwendung und Firmware gepflegten Roboter suchen, erhalten mit dem Kauf des Ecovacs Deebot 900 einen Serviceroboter, welcher zahlreiche weitere positive Merkmale in sich vereint. Für aktuell ca. 450 Euro erhält der interessierte Käufer folgende Leistungen:

  • teilautonomer Serviceroboter
  • intelligentes und planvolles Navigieren durch Räume oder ganze Stockwerke exkl. Umrundung von Objekten
  • Lasereinheit zur Raumerfassung und -vermessung
  • Betrieb auch bei absoluter Dunkelheit möglich
  • Erkennung von Hindernissen und Abgründen durch umfangreiche Sensorik
  • Schutz der LiDAR-Einheit durch frontseitigen Bumper an LiDAR-Gehäuse
  • Ausweichen und Umfahren von Gegenständen durch Bumper-Nahbereichs- und Kollisionssensoren
  • gute Reinigungsleistung auf glatten Böden
  • hohe Geschwindigkeit auf weitläufigen Flächen bei Reinigung, teilweise Probleme bei Navigation in Bereichen mit hoher Hindernissdichte (Esszimmer, Küche usw.)
  • zwei Saugstufen (Normal- und Power-Modus) als Wahlmöglichkeit bei unterschiedlichen Verschmutzungsgraden und/oder Einsatzhäufigkeit
  • timergesteuerte Reinigung inkl. Verlaufsdarstellung in Ecovacs-Anwendung
  • Steuerung über intuitiv zu bedienende App inkl. regelmäßiger Updates
  • Abtrennung eines Bereichs mittels Virtual Wall innerhalb der App, separate Bereichsreinigung, Raumzuweisung
  • Kartenerweiterungsfunktion ermöglicht schrittweise Erfassung der gesamten Wohnfläche
  • Speicherung einer Masterkarte
  • einfaches Reinigen des mittelgroßen Schmutzbehälters sowie Bürstenwerks aufgrund der simplen, robusten Mechanik
  • Behälterfüllstand nach Entnahme nur unter guten Lichtverhältnissen einsehbar
  • mehrschichtiges Filtersystem macht Reinigung aufwendiger
  • Vorfilter und Grobfilter lassen sich unter Wasser reinigen
  • sehr dichte Borstenstruktur, sehr feines Gewebe, keine Lamellen zur Beförderung vorwiegend grober Schmutzpartikel oder Haaransammlungen von Mensch und Tier
  • gute Verarbeitung, durchdachte Materialwahl, einfache Bedienung
  • optisch ansprechendes, zeitloses Design und durchdachte Funktionalität
  • angemessener Endpreis
  • relativ preiswertes Zubehör in Originalqualität

Nach nunmehr fast 6 Monaten Betriebszeit sowie mittlerweile Ergänzung um den Ecovacs Deebot Ozmo 930 als Vergleichsobjekt bin ich mit der Leistung des neuen Modells D900 durchaus zufrieden. Zwar empfinde ich den Staubbehälter als etwas klein geraten, zeigt sich mein Exemplar beim Überfahren einer im Haushalt vorhandenen Türschwelle teils etwas launisch und steckt ab und an bei leichtem Drehen bzw. Verschieben der Basis wiederholt an Hindernissen fest und muss händisch bewegt werden, im Großen und Ganzen leistet der 900 jedoch gute Arbeit. Vor allem an den Updates sieht man, dass dem Hersteller sehr daran gelegen ist, die eigenen Produkte auch nach Verkaufsstart weiter zu optimieren, sowohl in Bezug auf die Firmware als auch auf die hauseigene Applikation. Der Ecovacs macht vor allem optisch einen wirklich guten Eindruck. Er rackerte bislang ohne einen einzigen technischen Zwischenfall in meinen vier Wänden, das dank der automatischen Kartenerweiterung bei Entdecken einer neuen Räumlichkeit aus navigatorischer Sicht recht zuverlässig. Die anfänglichen Probleme in Sachen Ausrichtung der Basis und daraus resultierenden Einflüssen auf die Fahrtwege als auch die mangelnde Umrundung von Objekten ließen bei mir ab und an Zweifel aufkommen, ob sich Ecovacs mit der Entscheidung, sich bezüglich der Raumaufteilung und Koordinierung der Reinigungswege (Ähnlichkeiten zu systematisch arbeitenden Geräten der 900er-Serie) an iRobots Algorithmen zu orientieren, wirklich einen Gefallen getan hat. Am Ende eines langen Arbeitstages wünscht sich schließlich jede bzw. jeder Besitzer eines Serviceroboters nach Ankunft im Zuhause, dass dieser seine Arbeit zuverlässig und sorgfältig verrichtet hat und weder nachgeholfen, noch nachgearbeitet werden muss.

An dieser Stelle – ein serienreifes Produkt des Modells D900 liegt mir bei Veröffentlichung des Testberichts nicht vor – durfte der serienreife, neue Ecovacs-Sprössling im Vergleich zum mir zur Verfügung gestellten Exemplar gerne noch etwas Routine hinzu gewinnen. Nachbesserungen der Firmware des Roboters versprechen Abhilfe. Nach Vergleich mit dem größeren Modell 930 fällt auf, dass jener mit augenscheinlich mehr Gelassenheit und Souveränität zu Werke geht. Hier zeichnet sich fernab des Wunsches nach der automatischen Kartenerweiterung, welche dieser vor wenigen Wochen erhielt, in ihm bereits jener Prozess ab, der Xiaomi zum härtesten und ärgsten Konkurrenten werden ließ: der Wille nach unentwegter Optimierung der eigenen Produkte. Zeigten die Modelle der R-Serie noch verschiedene Probleme im Bereich Hard- und Software, scheint Ecovacs mit dem neuen DEEBOT-Modell sowie der Ozmo-Reihe auf dem richtigen Weg, wenn auch nicht am Ende der Entwicklung angelangt. Ob der Tatsache, dass ich mit einem Vorserienmodell arbeitete, möchte ich mich in Bezug auf eine klare Empfehlung zum Kauf zurückhalten. Vieles am von mir getesteten Exemplar kann überzeugen. Einige Kleinigkeiten, die zum Teil unlängst behoben scheinen laut Auskunft des für die Beta-Tester zuständigen Marketing-Managers H. Hess (Pfeifton der Gebläseeinheit, Erhöhung der Reichweite, Optimierung der Fahrtwege zur Verhinderung wiederholten Abfahrens bereits gereinigter Bereiche), trüben das ansonsten positive Bild.

Leider scheint sich der Testsauger nicht vollends mit meinen Fußleisten, dem engen Gang sowie meiner schwarzen Fußmatte zu verstehen und blieb zumindest bislang an diesen Stellen immer wieder hängen. Anfangs reichte eine leichte Verdrehung der Basis, um den Roboter am Befahren meines Arbeitszimmers, welches idealerweise ebenfalls gereinigt werden sollte, zu hindern. Gleiches Verhalten in Bezug auf die Auslassung eines ganzen Raumes zeigte auch der 930 in ersten Testläufen. Beide Roboter navigieren nach demselben Prinzip. Somit schien zumindest der Aufstellungsort der Basisstation bis zuletzt elementar für das spätere Reinigungsergebnis. Der Einfluss der Ausrichtung derselben (bündig zu einer der Raumkanten) wurde mit einem der letzten Updates schließlich erfolgreich beseitigt. Es bleibt abzuwarten, ob Rückmeldungen auf ähnliche Schwierigkeiten verweisen und meine Beobachtungen des frühen Testgeräts bekräftigen oder ob die navigatorischen Fähigkeiten des Roboters nach den Aktualisierungen der Firmware nun auch unterschiedlichsten Haushalten gerecht werden. Schlussendlich muss jeder selbst entscheiden, ob er mit den gebotenen Nachteilen leben kann. Persönlich hätte ich mir neben den bereits genannten Punkten eine Anzeige bei maximaler Befüllung des Schmutzbehälters gewünscht. Je voller dieser, desto schlechter der Luftdurchlass über die Filterebenen und umso höher die Anforderungen für den Gebläsemotor. Ein Hinweis per LED-beleuchtetem Symbol am Roboter hätte bereits gereicht, welches im einfachsten Falle anhand der gefahrenen Quadratmeter auf den Füllgrad geschlossen und mich als Nutzer rechtzeitig zum Entleeren heran gezogen hätte. Ein expliziter Sensor, wie ihn die 900er-Serie von iRobot im Ansaugschacht selbst besitzt, wäre bei dem Endpreis ohnehin reines Wunschdenken. Nichts desto trotz ist Ecovacs auf dem richtigen Weg, bessert bereitwillig nach an Stellen, die noch nicht optimal laufen und scheint gewillt, nach den unerfreulichen Erfahrungen mit der R-Serie KundInnen des D900 mehr Gehör zu schenken. Auch verhalfen die Rückmeldungen zu etwaigen Kartenproblemen des 930, die Software des reinrassigen Staubsaugerroboters D900 dahingehend zu überdenken. Ecovacs erhält auf dem heimischen Markt jedenfalls massiven Druck durch die überzeugenden Produkte des gleichfalls chinesischen Herstellers Xiaomi. Konkurrenz bedeutet Antrieb zur Evolution, dies kann nur im Sinne des Kunden selbst sein. Dem Ecovacs Deebot D900 haben die Verbesserungen durch App- und Firmware-Updates nicht geschadet. Er reifte in den vergangenen Monaten Schritt für Schritt zu einem größtenteils zuverlässigen Serviceroboter, dessen aufgerufener Preis von 449 Euro inkl. Steuer, zweijähriger Gewährleistung und Ansprechpartner in Deutschland auch auf den zweiten Blick durchaus gerechtfertigt scheint.

Vornehmlich die Möglichkeit des Auslassens einzelner Räume oder Bereiche aufgrund der Abhängigkeit zum Fahrtweg bzw. dessen stoische Verfolgung sowie die langen Ladezeiten trüben das Bild. Xiaomis neuere Modelle der „Planning Edition“ schaffen derlei Navigationsaufgaben – Anfahren und Reinigen von Engstellen, Umfahren halb geöffneter Türen, Umfahren von Möbeln – im hiesigen Haushalt selbst ohne LiDAR-Einheit deutlich zuverlässiger, vom schnelleren Aufladen nach getaner Arbeit ganz zu schweigen. Genau an dieser Stelle darf und muss Ecovacs nachbessern, um gewappnet zu sein gegen die teils deutlich intelligenter und überlegener navigierende Konkurrenz aus China, den USA und aus Deutschland. Live-Kartenansicht, Bereichsreinigung und -speicherung hin oder her – am Ende zählt das Ergebnis und das sollte lückenlos sein, ein jedes Mal, ohne Zutun des bzw. der EignerIn.

Update #1 | November 2018

Ecovacs hat an verschiedenen Stellen nachgebessert. Die Themenschwerpunkte Kartenverlust und Auslassung von Bereichen oder ganzen Räumen gehören der Vergangenheit an. Durch Updates der Firmware und App konnte die Nutzererfahrung deutlich verbessert werden. Der Roboter verrichtet seit Wochen seine Arbeit mehr als zuverlässig. Neue Räume und Bereiche werden stets erkannt und ordnungsgemäß der bestehenden Kartierung hinzu gefügt. Das Problem der langen Ladezeiten durch Verwendung von Zellen auf Nickel-Metallhydrid-Basis bleibt selbstredend weiter bestehen. Auch empfinde ich den Schmutzbehälter in Bezug auf das Volumen als auch die Mehrschicht-Filterlösung etwas umständlich, wer einmal Routine gewonnen hat, den dürften diese Kleinigkeiten jedoch kaum mehr verstören. Darüber hinaus zeigt sich der D900 einzig bei Befahren meiner tief schwarzen Fußmatte weiterhin störrisch und lernunwillig. Mutige können dieses Unterfangen durch Abkleben der Sensoren mildern. Doch Vorsicht ist geboten bei allen jenen, die in ihrem Haushalt über Treppenauf- und -abgänge verfügen, an denen der Roboter abstürzen könnte. Oder man klappt die betroffene Matte während des Reinigungsvorgangs einfach hoch. Alles in Allem ist das Produkt Ecovacs Deebot 900 – mit Ausnahme der technischen Komponenten Akku & Netzteil – grundlegend gereift und die Chinesen scheinen trotz etwaiger Vorstöße durch Xiaomi, Vorwerk und Neato oder iRobot bislang die einzigen, die eine solch detaillierte, ausgefeilte Raumreinigung anbieten. Lediglich die Speicherung mehrerer Etagen fehlt dem Roboter. Diese soll laut Ecovacs noch in 2018 durch ein Update nachgereicht werden.

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